Ein Nachmittag in Rotterdam

Hanno Niesler

Nach dem vormittäglichen Besuch der Rotterdam Maritime, einer eher kleineren Schifffahrtsmesse in bennanter Stadt, stand die Überlegung an, was mit dem restlichen Tag anzufangen sei. Das ist natürlich keine wirklich schwierige Frage, denn was liegt näher als einen Abstecher in den größten Seehafen Europas zu machen? Das lohnt sich immer. Den Hafen in Rotterdam zu finden ist ein Kinderspiel verglichen mit dem Problem, zur Messe zu finden. Das Messegelände ist überall ausgeschildert?? Ja, natürlich, aber was nützt einem das, wenn man nicht weiß, was Messe auf holländisch heißt...!!

Schon bei den vorangegangenen Besuchen hat es sich bewährt, auf die Landzunge zu fahren, die den Nieuwe Waterweg vom Caland-Kanaal trennt. So gelangt man praktisch direkt hinter die Hafeneinfahrt, und kann um sich herum alles beobachten, was aus- und einläuft. Auf dem gut 10 Km langen Weg über die schmale Landzunge kommt man auch an einer Schlepperstation vorbei, und an den gewaltigen Sturmfluttoren, die die Rotterdamer Innenstadt im Falle eines Falles schützen sollen.


Sturmfluttor und Schlepper LIMBURGIA

Aber schon nach den ersten paar hundert Metern auf der Landzunge hieß es anhalten, denn am gegeüberliegenden Ufer des Caland-Kanaals lag an einem Ölpier der Tanker KERLAZ, der gelöscht hatte. An seinem Heck war bereits SMIT CLYDE in Stellung gegangen, was ein sicheres Zeichen für das bevorstehende Auslaufen ist.


Tanker KERLAZ am Ölpier


SMIT CLYDE hat am Heck festgemacht.

Also 'raus aus dem Auto, die Kamera gezückt, und da wurde mir schlagartig der Klimawandel gegenüber des Rotterdamer Stadtgebietes bewußt: Während man es im selbigen an diesem Tag ganz gut aushalten konnte, sprang uns nun der eiskalte Wind an, der Schneeflocken über die Schaumkronen im Hafenbecken trieb. Gefühlte Temperatur: Minus 20 Grad Celsius! Aber was will man machen, von rechts nahte schon FAIRPLAY 24, um den Tanker "festzunageln", damit die Leinen losgeworfen werden konnten.


FAIRPLAY 24 im Anmarsch


KERLAZ wird "festgenagelt".

Danach war ihr Auftrag auch schon beendet, denn nur der Heckschlepper bleibt am Schiff, damit der Tanker im Gefahrenfall gestoppt werden kann. Schon war die Sache erledigt, die Finger waren eh kaum noch in der Lage, weitere Male den Auslöser zu betätigen...


Der Job ist für FAIRPLAY 24 schon erledigt.


Ein Festmacher taucht hinter dem Tanker auf.

Schnell noch hinter einen herumstehenden Container gesprungen, "für kleine Jungs", und dann nichts wie zurück ins beheizte KFZ. Wie zwei Nußschalen sahen die kleinen Festmacher aus, die hinter dem Tanker auftauchten, und da wird einem erst mal wieder richtig bewußt, wie groß doch alles ist, was es hier zu sehen gibt!


SMIT CLYDE als Aufstopphilfe


KERLAZ verabschiedet sich Richtung Nordsee.

An der Spitze der Landzunge angekommen, kam es, wie es kommen mußte: Verkehr ohne Ende auf dem Wasser, man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll, und natürlich keine vernünftige Kamera dabei! Auch bei so miesem Wetter wie an diesem Tag kommen recht viele Leute auf die Spitze, immerhin rollten von See aus ganz schöne Wellen gegen die Strömung herein, und bei dem kleinen EERLAND 4 flog die Gischt bis über's Brückendach.


EERLAND 4

"Verflixte Auslöseverzögerung!" Plötzlich erschienen mehrere Landfahrzeuge, und lauter Menschen mit teuer aussehenden Apparaten gingen in Stellung. In der Ferne zeichnete sich ab, worauf sie es abgesehen haben könnten: Ein Schleppzug! Und wenn mich nicht alles täuscht, ist das ein Versorger vorne dran, der da sehr langsam näher kommt!


Schleppzug mit Versorger...


BRODOSPAS STORM

"Woher wissen die nur alle, wann hier interessante Dinge passieren? Die kommen ja wie gerufen!" Wie man munkelt gibt es da extra Internetseiten, auf denen Insider-Informationen zu haben sind, was, wann und wo sich etwas bewegt. - Genauso schnell, wie sie gekommen sind, sind die "Ship-Spotter" dann auch wieder verschwunden, als der Schleppzug vorbei war.


Zwei weitere Schlepper assistieren am Heck.

So verging der Nachmittag recht schnell mit "'raus aus dem Auto, 'rein ins Auto, Motor laufen lassen, damit's warm wird, usw", und wer jetzt meint, das sei umweltschädlich, dem empfehle ich mal einen Blick auf die "Auspuffrohre" der dicken Pötte zu werfen, wie zB. der 100.000 PS starken Katamaranfähre STENA DISCOVERY, die da am Horizont zu sehen ist. Oder die Anlaßwolke von dem Bulker da drüben... Peanuts! Diesmal jedenfalls.


VS ROTTERDAM


TRENCHSETTER

Links:

Port of Rotterdam
(Rotterdam-) Europort Maritime
Ship Info by Dirk Zwager

Hanno Niesler, Nov. 2004