Museen in den USA:
U 505 in Chicago

Hermann Schulte auf'm Erley

Wenn man Chicago besucht, sollte man die Möglichkeit das Museum of Science and Industry zu besuchen nicht verpassen. Besonders dem Modellbauer dürfte die in diesem Jahr neu eröffnete Abteilung mit U 505 interessieren. U-505 ist das letzte U-Boot des Typs IX-C. Das Boot wird im Zustand 1945 gezeigt, mit den Flakplattformen des Turmumbaues IV. Auf den oberen Wintergarten befinden sich zwei 2-cm-Zwillingslafetten, unten die 3,7 cm M42 Flak in der LM42 Lafette.


Doch hier nun ein kurzer Abriss des mit Pech verfolgtem Bootes.
Auf Kiel gelegt wurde U-505 bei der Deutschen Werft AG in Hamburg 1941. Nach ihrer in Dienststellung unter Kapitänleutnant Axel-Olaf Loewe wurde sie in den nächsten Monat intensiv in der Ostsee getestet und die Mannschaft für ihre schwierige Aufgabe trainiert. Danach wurde U-505 nach Lorient, Frankreich, zur 2. U-Flotilla verlegt. Die zweite Patrolie führte sie dann nach West Afrika. Im Februar 1942 waren die Gewässer vor Afrika fuer die deutschen U-Boote verheissungsvoll, denn es gab noch keine wirksame U-Boot-Abwehr. Demzufolge versenkte U-505 25,000 tons allierten Schiffsraum in 86 Tagen auf See. Nach der Rueckkehr nach Frankreich ging die 3. Patrolie Anfang Juni in Richtung Karibik. Dort versenkte sie 3 Schiffe bevor sich ihr Glück wand.


Loewe hatte sich eine akute Blindarmentzuendung zugezogen und wurde direkt nach in Ankunft in Lorient in Krankenhaus eingeliefert. Da Loewe noch nicht einsatzfähig war erhielt Oberleutnant zur See Peter Zschech (befördert zum Kapitänleutnant am 1. April 1943) das Kommando. Die 4. Patrollie mit vielen neuen Gesichtern an Bord ging wieder Richtung Karibik. Zschech, der bei der Mannschaft nicht besonders beliebt war (brach mit seemännischen Traditionen und ließ die Mannschaft eine Infanterie-Ausbildung durchführen, während das Boot repariert wurde) fand sein erstes Opfer suedoestlich von Trinidad. Drei Tage später würde das U-Boot von einem britischen Bomber angegriffen und schwer beschädigt. Bei dem Angriff wurde der Bomber so schwer durch die Explosion einer Wasserbombe beschädigt, dass er ins Meer stürzte. Die massiven Beschädigungen auf U-505 veranlasste Zschech den Befehl das Boot zu verlassen zu geben.


Aber der Ober-Maschinist verweigerte diesen Befehl und brachte es mit der technischen Crew fertig, U-505 behelfsmaessig zu reparieren. Danach begann der lange Weg nach hause. Am 12 Dezember 1942 erreichten sie Lorient. Nach monatelangen Reparaturen wurde das Boot mit verstärkter Luftabwehr-Flak ausgerüstet. Im Juli 1943 wurde U-505 befohlen im Azoren-Raum zu operieren. Innerhalb von nur 24 Stunden waren sie jedoch wieder zurueck, mit einer langen Maengel-Liste. Auf See ging es dann wieder am 3. July, jedoch nur fuer kurze Zeit. Bei einem Flieger-Überraschungsangriff wurde U505's "Metox" (feindl. Radarerkennung) zerstört. Erschreckend wurde auch festgestellt, dass sie eine Ölspur hinter sich herzogen. Am 13 Juli war man wieder in Lorient.


Nach 2 Wochen in der Werft ging es in der ersten Augustwoche wieder auf Patrolie, nur um wieder am nächsten Tag umzukehren. So ging das Spielchen bis zum 9 Oktober. Die Crew war mittlerweile mehr als abergläubisch und man munkelte auch von Sabotage. Selbst ein Gestapo-Mann kam an Bord und beschuldigte die Mannschaft der Unwilligkeit auszulaufen. Am 9. Oktober verließ U-505 Lorient Richtung Atlantik. Am 24 Oktober verübte Kapitänleutnant Zschech Selbstmord während eines WABO-Angriffes. Oberleutnant zur See Paul Meyer führte das Boot dann zum Stützpunkt zurück. U-505 lief am 7. November in Lorient ein.


Am 18 November 1943 übernahm Oberleutnant zur See Harald Lange U-505. Er galt als erfahrender Seemann, der seine Wurzeln in der Berufsschiffahrt hatte. Allerdings hatte er nicht viel mehr Glück als Zschech, bei der ersten Feindfahrt unter seinem Kommando mussten sie bald wieder umkehren aufgrund eines Oelleckes. Heiligabend war U-505 wieder in Richtung Atlantik unterwegs. In der Biscaya wurden Kampfgeraeusche von Ueberwassereinheiten geortet. Die britischen Kreuzer Glasgow und Enterprise attackierten deutsche Torpedoboote und Zerstörer, die Blockadenbrecher Alsterufer eskortierten. Die Deutschen verloren einen Zerstörer Z27 und die Torpedoboote T25 und T26. U-505 wurde in das Gebiet geordert, um Ueberlebene aufzunehmen. Nachdem dies geschehen war, ging die Reise zurueck nach Brest. Leider verlief das Dock-Manöver nicht reibungslos, ein Ueberlebener eines Torpedobootes rutsche von der Leiter im Turm und stuertzte auf den Steuermann von U-505. Das fuehrunglose Boot krachte mit dem vorderen Tiefenruder in die Betonmauer des Dockes. Die Folge war ein Werftaufenthalt von über 2 Monaten. Dennoch war die Moral gut, denn wenigstens die Rettungsaktion war gut verlaufen.


Am 16 März 1944 ging es an die West-Küste von Afrika. Dies sollte die letzte Unternehmung für U-505 werden. Lange kreuzte bis in den Mai hinein vor der Küste von Afrika, aber er sichtete kein einziges Schiff. Ständige feindliche Flugzeuge zwangen Lange oft zu tauchen. Er vermutete dass er sich in der Nähe eine US Hunter Killer Group befand und entschied wieder Richtung Osten, Richtung Afrika zu laufen. Er fuhr beim helllichten Tag üeber Wasser, um die Akkus zu laden, denn Lange dachte, dass die Alliierten vermuteten, dass niemand so dumm sein könnte beim helllichten Tage Ueberwasser zu fahren. Und Lange behielt Recht, nur wusste er nicht, dass er sich immer mehr dem Operationsgebiet der US Task Group 22.3 näherte.


Am 4. Juni war es dann soweit, U-505 hatte Kontakt mit der US Hunter Killer Group. Nach einem Wasserbombenangriff lief der hintere Torpedoraum voll Wasser. Lange entschloss sich die Mannschaft zu retten und aufzutauchen. Dort erwartete sie ein gnadenloser Granatenhagel von den Zerstörern und dem Flugzeugtraeger. Lange befahl das Boot zu versenken und "alle Mann von Bord". In einer tollkuehen Aktion gelang es einem Prisenkommando das U-Boot zu entern und es am Sinken zu hindern. Die Mannschaft von U-505 wurde bis auf einen Mann (kam bei dem Feuergefecht ums Leben) gerettet.


Danach wurde U-505 über Umwegen und mit viel Glück für die Alliierten in die USA ueberfuehrt, wo das Boot ausgiebig getestet wurde. Den Deutschen blieb bis zum Ende des Krieges dieser Husaren-Akt verborgen.
Nach dem Krieg ging U-505 auf Besichtigungs-Tour. Von Portsmouth über den St. Lawrence Strom bis hin nach Chicago war das deutsche U-Boot ein Publikumsmagnet. Am 26. Juni 1954 nach über 3000 sm erreichte U-505 Chicago. Dort wurde es im September 1954 Exponat im Museum of Science and Industry. Nach über 50 Jahren und Millionen Besucher wurde das ramponierte letzte deutsche U-Boot des Typs IX vom Freigelände in eine eigens gebaute Halle transportiert. Sei Sommer 2005 steht U-505 im neuem Glanz den Besuchern wieder zu Verfügung.


Leider ist das Licht im Ausstellungsraum sehr ungünstig zum fotografieren. Man wollte sicherlich mit diesem gedämpften Licht die Richtige Atmosphäre für U-505 schaffen. Was meiner Meinung nach auch gelungen ist. Nur, für uns Modellbauer ist es halt weniger glücklich, da wir kein Foto-Licht haben.


Bedanken möchte ich mich bei Lisa Miner, die es mir ermöglichte das Fotomaterial zu verwenden. Alle Museumsbilder bei Scott Brownell, Museum of Science and Industry


Quellen:

U-505 The Final Journey
James E. Wise Jr.
Naval Institute Press, 205
ISBN 1-59114-967-3

Link:

www.u505.org

Hermann Schulte auf'm Erley, November 2006