Museen in den USA:
Das Herreshoff Marine Museum in Bristol, Rhode Island

Hermann Schulte auf'm Erley

Der Bundesstaat Rhode Island befinded sich gut 2-3 Autostunden östlich von New York City. Nachdem man den Bundesstaat Conneticut durchquert hat, kommt man zu Rhode Islands größter Metropole Providence. Etwa eine halbe Autostunde südlich von Providence ist das kleine aber feine Herreshoff Marine Museum gelegen. Für segelinterssierte ist dieser Name sicherlich kein unbekannter.

Herreshoff Marine Museum 1

Herreshoff Marine Museum 2

Herreshoff Marine Museum 3

Die Herreshoff Manufacturing Company hat zwischen 1863 und 1945 wohl diverse berühmte Boote produziert. Angefangen vom einfachen catboat bis zur größten jemals gebauten America's Cup Jacht RELIANCE.

Modell der RELIANCE

Bekannt als "Wizard of Bristol", war Captain Nathanael G. Herreshoff vielleicht einer der besten Schiffsbauer seiner Zeit. Mit Erfindungen wie dem Blei-Ballast-Kiel, quergeschnittene Segel (Segel, bei dem die Bahnen quer durch das Segel und senkrecht zum Achterliek laufen) und vielem mehr revolutionierte er den Yachtbau. Nathanaels Bruder John gründete die Firma Herreshoff Manufacturing Company. Mit 30 Jahren stieg Nathanael bei seinem Bruder mit ein. 1981 bauten sie die Sloop GLORIANA und gewannen viele Preise mit ihr. Das brachte den Namen Herreshoff zu einem gewissen Bekanntheitsgrad.

RELIANCE

Im Jahre 1892 wurden sie von New Yorker Geschäftsleuten angesprochen, ob sie eine Yacht entwerfen und bauen koennten, um den America's Cup 1893 zu verteidigen. Zwischen 1893 und 1920 enstanden dann auf der Werft 5 erfolgreiche Verteidiger für den Cup. Das Ergebnis waren die VIGILANT (1893), DEFENDER (1895), COLUMBIA (1899 + 1901), RELIANCE (1903) und die RESOLUTE (1920).

Apropos RELIANCE, vielleich ein paar kurze Daten zu diesem ungewöhnlichen Segelboot:

Als sie 1903 gebaut wurde, war sie das größte einmastige Segelboot, das jemals gebaut wurde, und dieses ist meines Wissens bis heute gültig. An ihre bis zu 1500 qm Segelfläche kommt keiner so schnell heran. Selbst die J-Jacht ENDEAVOUR ist kein Vergleich für die RELIANCE, die nur zu einem Zweck gebaut wurde, nämlich Sir Thomas Lipton's Shamrock III zu schlagen. Mit einer Deckslänge von rund 44m und einer Masthöhe von rund 60m entwickelte die RELIANCE eine Geschwindigkeit von 20 kn bei moderatem Wind und glatter See. Sicherlich war sie nicht ausgelegt für Schlechtwettersegeln. Bemerkenswert auch: keine Reling, nur ein Antirutsch - Kork - Deck. Herreshoff verwirklichte einiges an High-Tech auf diesem Segel-Gigant. Der Top-Mast ließ sich z.B. mit Hilfe von Winchen unter Deck in den hohlen Stahl-Mast versenken, falls nicht benötigt. Dies reduziert Gewicht im Rigg und war für die Mannschaft einfacher und sicherer zu handhaben. RELIANCE war auch die erste Rennjacht, die Winschen unter Deck führte. Bis 1903 wurden gewöhnlich überhaupt keine Winschen auf Regatta-Yachten benutzt. Auch die SHAMROCK III hatte keine an Bord. Herreshoff war besorgt um die Ruderanlage bzw. die Kräfte, die bei einem so großen Boot am Ruder auftreten konnten. Um Abhilfe zu schaffen, wurden zwei Steuerräder installiert und das hohle Ruder lies sich zu Balance-Zwecken fluten.

RELIANCE

Leider war die Lebenszeit dieses Segel-Riesen relativ kurz, bald nach dem erfolgreichen America's Cup wurde die RELIANCE aufgelegt.
Ein hervorragendes Modell von Justin Camarata kann im Museum betrachtet werden. Beachtenswert besonders das vorbildgetreue Wellenbild.

RELIANCE

Für nachbauwillige Modellbaukollegen sei erwähnt, daß alle, Nathanael G. Herreshoff und A. Sidney DeW. Herreshof (Sohn), Konstruktionspläne bei der MIT Museum / Hart Nautical Collection (265 Massachusetts Avenue, Cambridge, MA 02139) verwahrt werden. Doch zurück zum Museum. Neben einer vielzahl von Exponaten gibt es auch noch den Model Room, in dem über 500 Halbmodelle (angefertigt von Captain Nat) zu besichtigen sind.

Nat's Model Room 1

Nat's Model Room 2

Ferner sind Beschlagsteile und unterschiedliche Motoren ausgestellt. Im gegenüberliegenden Gebäude ist die America's Cup Hall of Fame untergebracht. In diesem Gebaeude ist alles über die Geschichte (bis hin zum heutigen Tage) über den 100 Guineas Cup zu erfahren. Auch hier findet man sehr gut gebaute Modelle und Halbmodelle aus der ganzen Epoche des America's Cups.

America's Cup Hall of Fame 1

America's Cup Hall of Fame 2

America's Cup Hall of Fame 3

America's Cup Hall of Fame 4

ENTERPRISE 1

ENTERPRISE 2

Die "Hall Of Boats":

Hall Of Boats 1

Hall Of Boats 2

BULLDOG

BULLDOG

CYGNET

Detail

Detail

Hall Of Boats 3

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass die Herreshoff Manufacturing Company während des II. Weltkrieges auch Torpedoboote gebaut hat. PT-Boote mit den Nummern 430-449 entstanden auf dieser Werft.

Weitere Informationen unter:
www.herreshoff.org

Hermann Schulte auf'm Erley, März 2005