Helsinki im August 2003

Peter Frieß

Die Vorgeschichte

Im Laufe des langen Suchens und Fahndens nach Unterlagen für den Bau eines Atomeisbrechermodells der TAIMYR bekam ich Kontakt zu einem der Konstrukteure im finnischen Helsinki. Nach langem eMail-Kontakt entwickelte sich eine Freundschaft auf die Entfernung, die einen ersten Höhepunkt im beabsichtigten Deutschlandbesuch des Konstrukteurs samt seiner Familie im Jahre 2002 hatte. Es war mir einfach möglich, der Familie einen Herzenswunsch zu erfüllen, indem ich eine Tagesfahrt auf dem Rhein organisierte, die entlang der Burgen inklusive Lorelei und zu einem brutalen Sonnenbrand führte. Die Tage in Deutschland waren ein Erlebnis für die Finnen und vor allem für mich, konnte ich doch einem Fachmann endlos Löcher in den Bauch fragen. Dreißig Jahre Berufserfahrung ... ein wandelndes Lexikon des Eisbrecherbaus.

Helsinki Hafenansicht
Helsinki Hafenansicht

Helsinki

Es kam , wie es kommen mußte, wir machten einen Gegenbesuch im August 2003 in Helsinki. Gut vorbereitet durch meinen Freund, war es eine tolle Sache, sich in einer fremden Stadt perfekt zurechtzufinden und alle Infos kompakt in einem Ringbuch vorab zu haben. So konnte man loslegen, ohne zu sondieren, herauszufinden, sich verlaufen, etc.
Helsinki ist eine tolle Stadt, alles liegt kompakt beieinander, Hafen, Bahnhof, Parlament, Einkaufsstraße, etc. Mit der Touristenlinie (3T) der Straßenbahn, kann man als Touri in aller Ruhe an allen wichtigen Punkten vorbeikommen. Die Fahrer sprechen / verstehen Englisch.


ASSEDO

Das Beste für den Schiffsliebhaber

Da wir hier auf der Seite der IG Spezialschiffe sind und nicht bei Marco Polo, ende ich hier mit dem allgemeinen Teil und gehe auf die maritimen Leckerbissen ein. Die Fotos unterstreichen die Aussagen...

MARIELLA
MARIELLA

Eisbrecher

Finnland ist Marktführer der Eisbrecherentwicklung. Schon früh erkannte das Land, dessen Wirtschaft mit dem Eis fast zum Erliegen kam, dass die Aufrechterhaltung der Schiffahrt im Winter von existenzieller Bedeutung ist. Nicht zuletzt stammt der Name Runneberg, der die Eisbrecherentwicklung maßgeblich geprägt hat, aus Finnland. In der Entwicklung von Eisbrechern haben die Finnen seit Jahrzehnten die Nase vorn, sowohl in der Anzahl der gebauten Schiffe, als auch in der Technologie. Marktführer war die WÄRTSILÄ Werft, später übernommen und umbenannt in KVAERNER MASA YARDS, heute AKER KVAERNER.

SISU
SISU am Eisbrecherkai

VOIMA
VOIMA am Eisbrecherkai.

Im Hafen

Wie ein Finger ragt die See in die Stadt Helsinki hinein, dadurch ist es nur ein Katzensprung von der City in den Hafen. Es macht also Sinn bei einem mehrtägigen Urlaub, jeden Tag mal in den Hafen zu gehen, am besten zu unterschiedlichen Zeiten, um neue Schiffe zu betrachten. Zu sehen gibt es: Ostseefähren beeindruckender Größe, Tragflügelboote (Jetfoils), Katamaran-Jets, Fischerboote, Schlepper, ja sogar segelnde Kreuzfahrer.

CINDERELLA
CINDERELLA

Auch die Seenotrettung (MERIPELASTUS) hat dort einen festen Liegeplatz.

JENNY WIHURI
JENNY WIHURI

Gut geschmeckt hat auch der frisch zubereitete Fisch auf dem Markt am Hafen, aber fotgrafieren und salziger Fisch machten Durst, mächtig... A propos Durst: Das Bier wurde entsprechend seines Alkoholgehaltes in Gruppen eingeteilt. Als Eisbrecherfan teste ich gleich KARHU No.5. Die Einheimischen schwören jedoch auf LAPIN KULTA (das Gold der Lappen):
www.beertest.de/Lapin%20Kulta.htm

Nordic Jet

Hydro-foil

WIND SURF
WIND SURF

Am Eisbrecherkai

Für die Aufrechterhaltung der Winterschiffahrt unterhält die finnische Marineverwaltung www.fma.fi echte Boliden. Die Eisbrecher, die nichts anderes gelernt haben als eisbrechen (KONTIO / OTSO; SISU / URHO; APU, VOIMA) liegen im Sommer in Helsinki am Kai. Das Fotografieren von der Landseite ist möglich, jedoch lassen sich aufgrund der Größe der Schiffe und der mangelnden Distanz zu ihnen keine Totalaufnahmen machen.

APU, VOIMA
APU, VOIMA

KONTIO, OTSO
KONTIO, OTSO

Die neueren Generationen von Eisbrechern (FENNICA, BOTNICA, NORDICA) sind vielseitiger (Multipurpose) und haben auch im Sommer Arbeit, z.B. im Offshorebereich. Sie sind dann nicht am Kai anzutreffen, zumindest nicht aufs "gerade Wohl". In der Umnrüstungsphase jedoch liegen sie für kurze Zeit am selben Platz wie ihre Ahnen.

NORDICA
NORDICA, vom Kai aus, im Winter.

Fotosafari, ein guter Tipp

Am Morgen meines Geburtstages wollte ich mir selbst ein Geschenk machen und handelte im Hafen mit dem Besitzer eines Wasser-Taxis aus, dass er meine Familie und mich exclusiv zum Eisbrecherkai schippert und ich so seeseitige Fotos von denselben machen könnte. Für 50 Euro wurden wir einig. Vorbei an den riesigen Fähren, entlang der Kais bis hin in's Hafenbecken des Eisbrecherkais. Das Wetter war schön, das Kreuzen der vielen Wellen war lustiger als bei einer Hafenrundfahrt, die Fotos wurden super, aber...

Eisbrecher
Eisbrecher am Kai, Seeseite.

...es geht auch viel billiger!
Für ein paar Euros bekommt man direkt am Kai im Hafen einen Fahrschein zum Zoo, der sich auf einer vorgelagerten Insel (Korkkeasaari) befindet. In direkter Nachbarschaft liegt das Marinemuseum mit seinen schwimmenden Exponaten (noch bis 2007, dann in Kotka, wo heute schon TARMO, der älteste Eisbrecher der Welt, liegt), wie z.B. dem uralten Feuerschiff KEMI, www.feuerschiffseite.de/SCHIFFE/FINNLAND/KEMI/KEMI.HTM . Von der Fähre zum Zoo hat man auf Hin- und Rückfahrt die Möglichkeit nahe am Eisbrecherkai vorbeizufahren. Im Zoo befindet sich ein hölzerner Aussichtsturm, von dem man auch das Eisbrecherkai prima vor die Linse bekommt. Voraussetzungen sind allerdings: gute Sicht und ein Teleobjektiv mit 200-300mm Brennweite.

Eisbrecher
Eisbrecher am Kai, vom Zoo aus.

Die Festung

Ein schöne Aussicht auf kommende und gehende Schiffe hat man auch von der Festungsinsel SUOMENLINNA bzw. SVEABORG, die außerdem das U-Boot 707 "VESIKKO", www.juergenthuro.de/html/vesikko.html, beheimatet und das Geschützmuseum mit seinen Freiluftexponaten, das Festungsmuseum und ein mehrere hundert Jahre altes Trockendock, das noch immer in Betrieb ist.

VESIKKO
VESIKKO

Fazit / Vergleich

Hamburg ist schon eine tolle Stadt und Ziel für lohnende Fotosafaris. Leider sind die interessanten Plätze weit auseinander und oft nur durch Insiderinfos zu finden oder nicht zugänglich für jedermann. Dafür entschädigen jedoch wieder die günstigen Tagesfahrscheine, die die Benutzung aller Bahnen, Bus und Fähren inkludiert.
In Helsinki hingegen liegt alles auf engem Raum beieinander. Ein echter Glücksfall, selbst für Fußgänger. Zwar scheint mir die Sprache schier unerlernbar, aber zwei Worte kann ich heute noch: "Lapin Kulta" und "Karhu No. 5" ;-)

Peter Frieß, Mai 2005