NEMESIS
...oder die Piraten-Yacht der Amzonen

Peter Frieß

Der Skipper und seine Crew...

Historisches

Modellbau wird und wurde unter den unterschiedlichsten Gesichtspunkten und mit unterschiedlichsten Mitteln betrieben, schon seit tausenden von Jahren. Waren es früher die Grabbeigaben der Ägypter, später die Knochenschiffe der Sklaven oder die privat, mit einfachsten Mitteln zu hundert Prozent selbsthergestellten Modelle vor dem zweiten Weltkrieg. In den 60er und 70er Jahren kamen verstärkt Baukastenmodelle auf den Markt und Ende der 90er die Ready-to-run-Fertigmodelle. Eine ganz besondere Variante sind Käufe gebauter/halbfertiger/schrottreifer Modelle über das InterNet, sprich Modellbaubörse oder ebay. Hier kann man Exemplare exotischen oder manchmal auch idiotischen Ursprungs günstig erstehen. Genauso ist es mir ergangen.

Das Monster kommt

Die Bilder im ebay waren super, die Größe beeindruckend. Eine 1,50m lange Motoryacht mit GfK-Rumpf für unter 100 EUR, mit Motoren, Servo und Empfänger und Transportwagen. Niemand hatte wirklich mitgesteigert, weil die Größe und die Transportkosten sicher alle Mitbieter in Ehrfurcht erzittern ließen. Auch Ehemänner haben hier wohl beigedreht, um in weiser Voraussicht erst gar keinen Anlaß zu geben für Ausbrüche der besseren Hälfte, wie z.B.: "Du bist ja verrückt! ... Wo soll denn das Monster noch hin?? ... Nein, nicht in mein Wohnzimmer! ..."

Der Verkäufer war nicht der Erbauer und hatte keine Ahnung von der Materie; wahrscheinlich war er einfach dem Charme erlegen und dann mit den Problemen der Abmessungen konfrontiert, - oder seiner Ehefrau....
Ich hatte also freie Bahn und bekam den Zuschlag! Den Transportwagen habe ich dem Verkäufer gelassen, weil der Postversand von dem Ding unbezahlbar geworden wäre.

SATURN

Bis dato hatte ich Null Ahnung von Yachten und deren Klassen, Typen und Arten. Um jetzt keinen Rennschlepper, Schiffkutter oder ein Kriegsschiffboot daraus zu machen, Namen die man bei Auktionen tatsächlich immer wieder findet, (was viel schlimmer ist: etliche Modelle sehen auch noch so aus!) mußte erstmal studiert werden. Billig ersteigerte ich das Buch ....... in historischer und in aktueller Ausgabe. Tatsächlich war auch mein Glückskauf dort aufgeführt, eine SATURN von Alexander ENGEL aus den späten 70ern. Als Typ "Fisherman" ist sie bezeichnet. Und da stand auch das schwarz auf weiss, was mir beim Auspacken des Modells sofort ins Auge gesprungen war: die Flybridge , der Fahrstand ganz oben, paßte im Maßstab nicht zu dem Rest. Die imaginären Menschen, die das Schiff bevölkern und unten in der Kajüte aufrechtstehen sollen, durften auf der Flybridge nur noch halb so groß sein.
Meine Suche nach Unterlagen konnte oder wollte der Hersteller nicht befriedigen, von einem weiteren InterNet-Auktionär jedoch, der mir kostenlos, vielen Dank, Scans der Pläne schickte. Darauf war ganz klar zu erkennen, daß der Erbauer sich strikt an die Vorlage gehalten hatte.

Die Bausubstanz

Mal ganz ehrlich, gerade bei den InterNet-Auktionen wird die Qualität der Modelle oft mit Schulnoten oder markigen Sprüchen beschrieben. Wie sieht denn eine "gute 2-3", ein "ganz ordentlich" aus??? Wenn der Erbauer "den peinlichen, dicken Verlobten" als gutaussehend beurteilt, BigBrother-Teilnehmer als durchschnittlich intelligent ansieht und die handwerklichen Fähigkeiten eines keuchhustengeschüttelten Grobmotorikers hat, dann...., ja dann klafft ein Spalt z.B. zu der Beurteilung eines Standmodellbauers für historische Modelle, der diese gerne mal für drei- bis siebentausend Euro an ein Museum verkauft! Soviel zum Toleranzbereich dieser Angaben.

Meine SATURN war solide gebaut, kein Pfusch. Jedoch sah sie sehr spießig aus, zum einem, weil die Holzteile ihr Aussehen durch aufgeklebte DC-FIX Holzdekorfolie bekommen hatten, zum andern, weil die krasse Maßstabverletzung gegen jede Esthetik verstieß. Alles, was nicht zum Rumpf gehörte, war eine Art riesiger Einsatz, aus Balsabrettchen und -Leisten gefertigt und mit weißem Tür- / Fensterlack gestrichen. UV-Vergilbung im Laufe der Jahre inklusive.

Die alte Technik

Der Antrieb wurde durch zwei 12Volt Bosch-Industriemotoren bewerkstelligt, die je über eine Kardankupplung direkt auf zwei zu kleine zweiflügelige Rennpropeller wirkten. Ein eingeklebtes Holzbrett ließ darauf schließen, dass ein NC-Pack als Energiequelle gedient hatte. Die beiden vor den Schrauben angeordneten Ruder waren über eine Stange verbunden und von einem uralten Robbe-Servo betätigt. Ein Rennboot war das nicht.

Die Umbaukommission tagt. Warum habe ich denn das Ding überhaupt erstanden? -> Weil es mich beindruckt hat und weil ich das starke Gefühl hatte, daraus etwas Besseres machen zu können!
Ich wollte dieser Yacht wieder die typischen Linien geben, die durch die vermurkste Flybridge ad absurdum geführt waren,
die ursprüngliche Substanz und Bauweise, soweit irgendmöglich, erhalten,
für Sonderfunktionen eine Grundlage schaffen,
etwas Außergewöhnliches daraus machen,
mal ein Funboat bauen.

Eine Idee wird geboren

Immerwieder hatten die Piraten Stoff für "jede Menge Fantasie" (Zitat: Sponge Bob) geliefert. Aber die Playmobil-Karacke kennt nun schon jeder. Wie steht es mit weiblichen Piraten? Die müssen ja nicht unbedingt häßlich gewesen sein, oder? Da gab es doch reichlich Figuren, z.B. Barbie, die hat den Maßstab 1/6 sieht aber doof aus und ist zu groß für den Rumpf, daraus hätte nur ein Motorboot ohne Aufbauten werden können. Aber wie steht es mit 1:10 bzw. 1:12? Das kommt hin!
Aus DOUBLE IMPACT, TOMB RAIDER, WITCHBLADE, etc. gibt es reichlich nette und wohlgestaltete Damen. Ja! So wird es! Weibliche Piraten, die aufgrund der harten Arbeit auf See einen gestählten Body haben und wegen der Transpiration nicht so viel Kleidung am Körper tragen. (Ist das schon sexistisch?) Das Ganze noch mit Sonderfunktionen und liebevollen Details nett ausgestattet... fertig ist mein Konzept.

Die Ausrüstung

Die letzten Sargnägel eines jeden sterilen Dutzendmodells sind die makellose Hochglanzlackierung und das Fehlen jeglicher Ausrüstung an Deck - das erinnert an die Szene aus "I-Robot", wo tausende identischer Robots in der Halle Aufstellung genommen haben, will heißen: NEPTUN / SILKE / COMMODORE lassen grüßen!
Mein Baby bekommt eine maßstäblich korrekte Flybridge mit Armaturen, Scheiben, und Deckausstattung, soewie eine gammelige Lackierung, die dem Piratendasein entspricht.

Jetzt geht's los

Zuerst brauche ich beim Bauen immer eine maßstäbliche Figur, die meine beflügelte Fantasie in die rechten Proportionen leitet. Die Ladys waren schnell da, nur im Gegensatz zu Seemannsfiguren gab es mit ihnen Probleme betreff der Fantasie...

Das Kajütendach wurde abgetrennt, was bei Balsaholzbauten einfach und ohne größere Schäden abläuft. Die gesamte Flybridge wanderte in den Müll. Ein Innenausbau der Kajüte war nicht mein Ziel, ist aber bei so großen Fenstern und dem riesen Maßstab ein unentschuldbares Versäumnis. Deshalb wurde die Kajüte später mit Panzerblenden und einem Panzerschott verkleidet; ein kleiner Trick eben.
Anhand von Bildern aus dem InterNet und aus Büchern wurde die Form einer typischen Flybridge der 70er Jahre ermittelt und aus Polystyrol/ABS-Platten Skratch gebaut, d.h. ohne vorgefertigte Teile, nur mit Cuttermesser, Winkel und Stahlineal.Jetzt war die Shilouette so, wie sie sein mußte.
Da alle Aufbauten aus Balsaholz, das sehr weich ist, bestanden, habe ich die kritischen Stellen (erkennt man bei gebrauchten Modellen leicht an: Rissen, Eindellungen, Splitterungen) mit PS-Streifen überklebt (Pattex!) und diese untereinander verklebt (Revell-Kleber!) und gespachtelt (Revell-Spachtel), dann geschliffen.

Die Details

Nachfolgend halte ich mich kürzer um alle Details beschreiben zu können. Ich gebe auch den Kleber an, weil hier die übelsten Fehler im Modellbau gemacht werden. Bestimmt sind die meisten Kleber "gut", aber eben nur für einen klar definierten Einsatzzweck bei präziser Anwendung. Stoß-auf-Stoß-Verklebungen mit Pattex sind absolut unsinnig; super ist Pattex hingegen, um z.B. glatte Flächen (Alu, PS, Plexi) miteinander oder mit Holz, Stahl o.ä. zu verkleben. (Ich hatte mal den Schlepper "Alte Liebe" in der Hand, eine Baukastenmodell, das nur mit Sekundenkleber geklebt war. Bei jedem Anfassen hat es unter dem Druck geknirscht...)

Die Details: Der Mast

Das Design erfordert einen autospoiler-ähnlichen Portalmast, der später die Topplaterne, die Radargeräte und die seitlichen Laternen tragen soll. Dazu habe ich PS-Profile benutzt und innen immer ein Rohr oder eine Holkammer vorgesehen, durch die ich später dann die Verdrahtung nachziehen konnte. Der Anstellwinkel des Mastes wurde gefühlsmäßig ermittelt. Nach meinem jetzigen Empfinden ist er etwas zu filigran und sähe massiver besser aus.

Die Details: Die Radarantennen

Drei Möglichkeiten: Kein Radar, Drehbalken oder Radome. Da eine Mechanik in dem zu filigranen Mast nicht gut einzubauen war, habe ich mich aus Symmetriegründen für zwei Radome entschieden. Grundkörper sind die Überraschungskapseln aus dem Frufo-Fruchtquark. Erhabene Schriftzüge aus der en Herstellung wurden abgefeilt und "radarmäßige" mit einem BROTHER P-TOUCH-Beschrifter hergestellt und nach der Grundierung und Lackierung aufgeklebt. Fertig!

Die Details: Die Laternen

Die Minimalausstattung dieses Bootes verlangt 3-4 Laternen, Backbord Steuerbord, Topp, Heck. Ankerlicht ließ ich weg. Bei Laternen sollte man wissen, dass es verschiedene Farben und Abstrahlwinkel gibt. Die Herstellung erfolgte aus klaren/roten und grünen, zylindrischen LEGO-Steinen, mit denen ich mich im LEGO-Land für einen lächerlichen Betrag reichlich eingedeckt hatte. Dorthinein passen prima Miniglühlämpchen 12V, die ich im ebay von einem Flipperautomatentechniker in 50er-Packungen billig erstand.

Die Details: Das Cockpit

Rundinstrumente wären sicher zeitgemäß gewesen, ich wollte aber experimentieren und habe mir Gedanken gemacht. Auch hier gab es wieder zig Fotos im Netz. Auf den Cockpit-"Tisch" wird ein schräger Kasten gebaut mit einer durchsichtigen Scheibe oben. Darunter ein mit dem InkJet auf Präsentationsfolie gedrucktes Bild, das quasi ein Dia ist. Es enthält eine Kombination von Digitalinstrumenten (Herstellerseiten sind eine Fundgrube) die mit einem Bildbearbeitungsprogramm in Form und Größe gebracht wurden. Darunter ist eine Lochraster-Lötstreifen-Platine, auf der 10 SMD-LEDs aufgelötet sind. Natürlich jeweils genau an der Position, wo darüber ein Instrument sitzt.
Absolut identisch, nur mit weniger Hingabe gebaut, sind die beiden Monitore im Cockpit. Der Grundkörper ist auch wieder ein bearbeiteter Legostein.
Je klarer / durchsichtiger das Bild auf der Folie ist, desto punkförmiger erscheint der Lichtaustritt der LED. Hier kann eine milchige = satinierte Folie abhelfen, oder Butterbrotpapier, dann streut das Licht und die Lichtquelle erscheint nicht punktförmig.

Das Steuerad ist gekauft, die Fahrhebel aus Pinwandnadeln selbstgebaut. Alles ist mit "Chrome-Silber-Spary" lackiert, das zwar nicht abriebfest ist und nicht überlackiert werden kann, aber deutlich besser aussieht als alle Silberfarben von Revell, Hombrol, etc. (anfassen erlaubt, rubbeln nicht)

Die Details: Die Decksausrüstung

Im Cockpit liegt eine Kamera herum, irgendwo aus der Krabbelkiste (Befüllung bei jedem Flohmarkt). Die Rettungsmittelauswahl ist groß, ich hatte aber keine maßstäblichen Rettungsringe, wollte auch keine bauen und sah bei einem franz. Modellbauhersteller die Rettungsinseln in Kistenform. Die waren einfach nachzubauen, zumal ich in - na wo? ... in der Krabbelkiste noch Strohballen von SIKU hatte. Vier Quetschverbinder für Drähte immitieren die Griffe, roter Klingeldraht die Seile. Aufkleber (siehe Radar) drauf, fertig!

Relingteile sind aus Aluminium-Schweißdraht, sog. Volldraht. Der Vorteil ist: Das Zeug ist pures Alu, glänzt und rostet nicht, lackieren überflüssig. Die gibt es sicher beim Schlosser oder Fahrradbauer für Cents. Nachteil: Man muß den richtigen Durchmesser finden, und: Die ca. 1m langen Stäbe haben alle 15 - 25 cm einen eingravierten Text. Entweder auf die dem Betrachterabgewandte Seite drehen bei der Montage oder nur die Abschnitte zwischen den Gravuren nutzen.

Eine Taucherausrüstung mach sich immer gut. Sauerstoffflaschen aus der - Krabbelkiste... oder selbstbauen aus Elektroinstallationsrohr ("PG-Rohr"). Stehen laut meinem Freund Garf, einem echten Taucher, auf Yachten oft in Holzkisten. Die Kiste ist aus ein paar Holzresten schnellgebaut, gebeizt und klarlackiert (Zapponlack). Die Flaschen passen saugend in die Kiste, fallen also bei Wellen und Kurven nicht heraus.

Der rote Feuerlöscher ist immer ein Blickfang und einfach herzustellen, entweder aus Rohr, Holz, Kunststoff. Hier kommt es nur auf den Maßstab an, bei kleinen Maßstäben kann man auch Widerstände aus der Elektronik nehmen.

Die Axt an der Wand schien mir unverzichtbar für ein Piratenschiff, entweder als archaische Waffe oder zum Kappen irgendwelcher Enterseile. Hier macht es die Bemalung. Details dürfen nicht fehlen. Stiel ocker mit schwarz übergewischt (Maserung), Kopf schwarz seidenmatt, Klinge silber.

Die Pütz oder zu Hochdeutsch: "Der Eimer, welcher zum Wasserholen über Bord geworfen wird und mittels eines daranbefsetigten Taues wieder eingeholt wird", ja der, der stammt aus einem Bastelladen. Nicht für Modellbau, nein, für Ostersträuße, Weihnachtskrippen und was Mutti sonst so noch baut, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Das Faß ist mir gut gelungen. Auf einem zylinderischen Kern (egal was), der ca. 10% kleiner im Durchmesser ist, als das Abwasserrohr, wickelt man eine Spirale aus (Alu-Voll-)Draht, 6-8 Umdrehungen. Beim Loslassen vergrößert sich der Durchmesser wieder etwas. Mit der Säge lassen sich jetzt Ringe heraussägen (Seitenschneider ist nicht gut, weil er weichen Draht verquetscht). Die Ringe sollten mehr als 360 haben. Ringe auf Rohr setzen, andrücken und so markieren, dass ein 360 Ring herausgesägt werden kann. Den Ring mit 5 Punkten Sekundenkleber gerade auf der richtigen Position festhalten. Das Ganze viermal. Jetzt mit Acryllack satt einpinseln. Der Lack läuft in die Kehle zwischen Ring und Rohr, jetzt sieht man nicht mehr einen runden Draht, sondern eine halbrunde Sicke, wie bei einem echten Stahlfaß. Der Lack hat die Kehle "ausgespachtelt". Ausguß und Luftloch sind durch zwei verschieden große Unterlegscheiben (Sekundenkleber) imitiert. Die Alterung geschieht wie bei den Aufbauten. Hier ist allerdings viel Rost nötig.

Die Details: Die Flagge

Hier habe ich auf dem PC mit einem Grafikprogramm ein schönes Frauenpower-Piraten-Amazonen-Logo gebastelt und mir dann bei Hans Blissenbach super Flaggen für wenig Mäuse machen lassen. Bevor jemand die Käsehäppchen-Pieker-Flaggen der renomierten Modellbauhersteller kauft, sollte er erstmal bei ihm reinschauen. Günstige Standard- und gute Sonderanfertigungsflaggen.
www.modelships.de/flaggen.htm

Die Details: Das Namensschild

Hier gibt es unzählige Möglichkeiten (Buchstaben zum Reiben / Kleben; Beschrifter; selbst ausdrucken, ...). Ich wollte ganz bewußt den typisch amerikanischen Look einer Yacht aus den 60 / 70ern erhalten, bei der ein Holzbrett am Heckspiegel befestigt ist, und der Namenszug draufgemalt wird. Um nicht freihändig zu entgleisen, habe ich den Schriftzug auf Papier ausgedruckt, mit dem Cuttermesser die Buchstaben freigeschnitten und den Papierstreifen auf dem Holzbrettchen (gebeizt, klarlackiert) fixiert; mit der Spraydose leicht weiß angesprüht und dann freihand mit Weiß nachgezogen - Ziel erreicht. Wäre aber für z.B. einen Minensucher keine gute Methode.
Der Name NEMESIS stammt von einer griech. Rachegöttin. Klingt für mich passend für eine Crew aus Powerfrauen; habe auch lange nachgedacht. BAD GIRLS ginge auch, ist aber zu vordergründig, MEDUSA zu abgedroschen, naja, jedem seinen Willen!

Die Details: Die Peitschenantennen

Sehr dünner Federstahl wurde in den Schlitz einer M3-Messingschraube gelegt und festgelötet. Mit einem Bisschen Lötfett geht es einfacher. Damit man das obere Ende sieht, kann man Perlen oder ein Stück farbige Drahtisolierung aufkleben.

Die Details: Die Panzerung

Die Panzerung entstand, ehrlich!, aus zwei Gründen: Ein nicht alltägliches Detail für eine Yacht (ist auch zweckmäßig bei dem ausgeübten Broterwerb) und der Vermeidung des Baus einer Inneneinrichtung.

Die Details: Die Bewaffnung

Die Kanone ist um 360 drehbar über ein Servo, bei dem der zwangsbetätigte Trimmer entfernt und durch einen externen ersetzt wurde. Ich hatte mehre Versionen begonnen, bis ich in einem Spielzeugladen dieses Teil entdeckte und für meine Zwecke umgebaut habe. Der Sockel ist ein Einsatz aus einem zweiteiligen Kaffeetrinkbecher (Partybedarf) mit aufgeklebten Verstärkungen. Das Abfeuergeräusch kommt vom Soundmodul -> SOUND und wird über den großen Lautsprecher eindrucksvoll wiedergegeben. Die beiden Gatling-guns sind billige Kunststoffteile aus dem Spielzeuggeschäft. Die Wirkung entfalten sie optisch durch die Bemalung und die drehbare Lagerung, akustisch durch ein Soundmodul mit EPROM, auf dem das MG-Feuer gespeichert wurde und mit 10Watt abgegeben wird.
Ein Mehrfachraketenwerfer ist in Planung. Hiermit könnten Luftheuler elektrisch gezündet werden, natürlich nur an Sylvester, wie es das Gesetz erlaubt!

Mit Hilfe der Universalschablonen-Technik (siehe Bautipps) wurden die Fensterflächen innerhalb der Rahmen exakt nachgebildet und mit deren Hilfe die Panzerblenden mit "saugender" Passung aus PS-Platten hergestellt. Die Langlöcher kann man sägen, feilen, schneiden, ... Ich hatte ein Werkzeug auf der Exzenterpresse (Glück!). Das Panzerschott besteht aus einem dickeren Stück Balsabrett, das in die entsprechend Form (abfallende Materialstärke nach außen; runde Ecken) gefeilt wurde, in G4 getränkt, geschliffen und lackiert. Aus einem Wecker ein Zahnrad als Handrad, ein paar PS-Reste und fertig!

Die Details: Das Deck

Auf der Flybridge besteht es aus Moosgummi (Bastelbedarf) und wurde mit Farbe auf Abnutzung und Schmutz getrimmt. Mit Hilfe der Universalschablonen-Technik (siehe Bautipps) hatte ich auch schon ein Moosgummideck für das Deck angefertigt, das sah aber dann alles wieder zu perfekt aus. Warum die Mühe? Der ursprüngliche Erbauer hatte doch ein so schönes Plankendeck gebaut, inzwischen schön verkratzt und mit Kleberesten verpopelt. Das habe ich ich einfach stellenweise über-geschliffen und wieder versiegelt (Zapponlack). Dabei blieb der abgenutzte Eindruck erhalten.

Die Details: Die Lackierung

Obwohl schon seit fast drei Jahrzehnten in Anwendung, hat die Spraydosen-Taktik, oder ich, voll versagt. Deshalb habe ich mir die teuerste Acrylfarbe gekauft und die Aufbauten in reinweiß gerollt und gepinselt. Die Oberfläche wurde ganz gut, nur sah der UV-gebleichte Rumpf jetzt echt gelblich aus dagegen. Da ich den aber nicht streichen wollte, habe ich die Aufbauten nochmal gestrichen, diesmal im Farbton champagner. Der paßt jetzt.

Die Details: Alterung

Es gibt viele Methoden zu altern und viele Details, die davon betroffen sein können. Auf einer solchen Yacht ist fast nichts Sichtbares aus Stahl -> somit nix Rost!
Spuren der Benutzung und mangelnden Pflege, Algen und immer wieder überspülendes Seewasser hinterlassen aber auch Spuren. Die habe ich mit Grautönen und Graugrün angedeutet. Es wurde fallweise mit stark verdünnter Farbe (Ink) "gewaschen" und mit einem Borstenpinsel "trocken-gebürstet" und mit einem Tuch "gewischt".

Das (Schluß-) Wort (zum Sonntag)

Keine Angst, ich bin kein arroganter Mensch, auch wenn es sich eventuell so anhört. Ich will durch ein paar provokante Bemerkungen zum Nachdenken anregen. Jeder, der ein paar Brettchen nimmt, einen Kasten daraus baut und stolz darauf ist, der darf das, ja der soll das auch sein!!! Jeder baut, so gut er kann, egal wie das im Maßsystem eines anderen angesiedelt ist. Ein echtes Brechmittel für mich sind aber die "Pseudo-Experten", die sich produzieren und publizieren, z.B. mit "historischen Modellen" deren Holzabreiten auf dem Niveau von Laubsägearbeiten eines 7jährigen sind, oder Erbauer von historischen Dampfschleppern, bei denen ja , ach, so alles authentisch, scale und diffizil gearbeitet ist, vor allem aber der Dieselsoundgenerator; nicht zu vergessen die Fertigmodellkäufer, die einen Schlüsselschalter am Motor einbauen, damit niemand das Schiff wegfährt und dann noch einen Artikel darüber schreiben!

Wer denkt ich drehe jetzt ganz ab, der liegt voll daneben. Schaut Euch mal an, was Hanno so alles im WÜRGSHOP gesammelt hat...!

PF