Baubericht der SMIT LONDON in 1:200

Der Baukasten ist aus dem Plastikmodellbaubereich der Firma Heller. Das Modell hat eine Länge 37,6 cm und eine Breite von 7,5 cm. Somit zählt es nicht gerade zu den Großmodellen. Den Baukasten bekommt man in versierten Fachgeschäften für 24,90 €uro. Nicht billig aber von der Verarbeitung und Qualität sehr gut. Als Erstes wird einmal der Baukasten begutachtet. Dabei fällt sofort der rote zweiteilige Rumpf auf. Der Rumpf ist der Länge nach in zwei Hälften unterteilt und muß zusammengeklebt werden. Der erste Schreck erweist sich erst hinterher als recht praktisch. Die restlichen Teile sind für einen Plastikbaukasten üblich. Plastik über Plastik. Recht überrascht war ich von der Qualität der Schiffsschrauben. Nach der ersten Begutachtung könnten sie funktionieren. Eine entsprechende Bohrung ist ebenfalls vorhanden. Man kann sie direkt auf eine 2mm Schiffswelle aufschrauben. Gesagt getan. Motor ran und ab ins Waschbecken. Die kleinen immerhin 20 mm Vierblattschrauben bringen das Wasser im Waschbecken ordentlich in Bewegung so dass sie sogar schon Luft ziehen. Die Schrauben sind perfekt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Plastikbaukästen kann man diese Schrauben ohne weiteres zum Antrieb nutzen. Das Schraubenproblem ist somit schon gelöst.

Der Rumpf:

Als erstes mußte der Rumpf zusammengeklebt werden. Ich klebte ihn mit ausreichend Sekundenkleber zusammen. Anschliessend musste erstmal getestet werden wieviel Gewicht das Modell trägt. Dazu legte ich den Rumpf in das Waschenbecken und Gewicht hinein, noch mehr Gewicht. Es reicht immer noch nicht. Also noch mehr hinein. Dann endlich Wasserlinie. Der kleine Rumpf ist jetzt richtig schwer geworden. Er wiegt stolze 540 Gramm. Da kann man ja richtig was einbauen. Bei dem Gewicht bekommt man locker das Querstromruder in Funktion. Zwei Schraubenantrieb also 3 Fahrregler und ein grosser Akku. Provisorisch habe ich mal alle Teile in den Rumpf gelegt, die hinein gehören. 3 Motoren, 3 Regler, Servo, Empfänger, Akku und 50 gr. Blei als Ersatz für Wellen, Gestänge, Querrstrahler und sonstiges. Immer noch weit von der Wasserlinie entfernt. Also noch Reserve für Sonderfunktionen! Zuerst habe ich mir überlegt, ein Soundmodul einzubauen. Aber dann aus zeitlichen Gründen doch sein lassen. Vom Gewicht her ist es in jedem Fall möglich.

Das Querstromruder:

Das Querstromruder hat in diesem Maßstab einen Druchmesser von 8 mm. In dieser Grösse bekommt man keinen Schraubenantrieb mehr in Funktion. Die Oberflächenspannung des Wassers ist dafür zu hoch und die Flügel der Schraube zu klein. Alternativ kann man ein zweiflügliges Paddel nehmen, wie es seit einigen Jahren auch von Robbe und Graupner angeboten wird. Nur muß dieser eben 'etwas' kleiner ausfallen. Dazu werden zwei Rohre 90° zueinander verlötet. Das eine Rohr hat den besagten Durchmesser von 8 mm. Das andere 12 mm. In dem 12 mm Rohr wird das Paddel eingesetzt. Zwecks Wartung ist das Paddel samt Lager in das 12 mm Rohr als Einheit einzustecken. Siehe dazu die Bilder. Auf dem einem Bild ist noch ein vierflügliges Paddel erkennbar. Dieses hatte fast keine Wirkung (Paddel zu klein) und wurde später durch ein zweiflügliges Paddel ersetzt. Für den Einbau des Querstromers war der zweigeteilte Rumpf perfekt. Ich mußte ihn vorne zwar wieder aufbrechen, das stellte aber kein Problem dar. Durch das Querstromruder wird der vordere Bereich jetz auch besser zusammen gehalten.

Die Schiffswellen:

Als Schiffswellen habe ich die 2 mm Wellen von Graupner genommen und die entsprechend auf der Motorseite gekürzt. Auf die gekürzte Seite kommt dann ein Sinter/Bronzelager von Conrad (Bundbuchse). Vorher löte ich zwei Messingrohre in einander 4/5mm und 5/6mm. Auf der einen Seite nicht fluchtend, so dass die Bundbuchse sauber in das äussere Rohr passt. Somit kann ich den 'Adapter' samt Bundbuchse über das 4 mm Stevenrohr schieben. Dadurch ist die Welle auf der Motorseite sauber gelagert und dichter als mit der Originalmessingbuchse. Das ganze wird dann mit Sekundenkleber verklebt bzw. verlötet. Bevor ich die Schiffswellen endgültig einsetzte drückte ich in das Stevenrohr Fett (Präzisionsfett von Robbe Alternativ kann man Spezial Amaturen Fett aus dem Sanitärbereich). ACHTUNG. Erst wenn das Modell fertig ist! Sonst kommt eventuell Fett auf den Kunststoff, dann hält weder Kleber noch Farbe. Dieses Verfahren wende ich seit mehreren Jahren an und läuft ohne Probleme.

Der Antrieb:

Als Antrieb kommen zwei Motoren der Firma Escap zum Einsatz. Diese Motoren sind sehr laufruhig und benötigen wenig Strom. Zudem ist die Drehzahl nicht sehr hoch (ca. 6000 U/min.). Nach ersten Versuchen benötigen die Motoren bei 7,2 Volt ca. 400 mA zusammen.

Die Fahrregler:

Nach langer Suche habe ich leichte und kostengünstige Fahrregler gefunden. Die Regler sind prozessorgesteuert. Über nur eine Taste zu programmieren und regeln bis zu 800 mA bei einem Gewicht von 4 gr. Das beste an ihnen ist, dass sie als SMD-Bausatz nur 10 €uro kosten. Somit habe ich gleich 3 Mini-Fahrregler MF 1 zu je 9,95 €uro bei www.elv.de bestellt.

Die Ruderanlage:

Als Ruder wurden die Originalruder mit Kortdüsen eingesetzt. Dazu wurde in das Ruderblatt ein 2 mm grosses Loch von oben gebohrt. Vorsichtig bohren das Ruderblatt ist nur 2,5 mm dick. In dieses Loch habe ich dann ein 2 mm Messingdraht als Ruderachse mit Sekundenkleber eingeklebt. Als Ruderschaft habe ich ein Messingrohr mit 2,1 mm Innendurchmesser verwendet. Den Schaft habe ich so lang wie möglich gehalten. Es gibt am Schaft keine Abdichtungsmaßnahen, weder Fett noch eine Dichtung. Die Anlenkung sollte nach Möglichkeit sehr weit oben sein, knapp unter dem Deck. Somit ist der Wasserdruck nicht sehr hoch und es sind keine Abdichtungsmaßnahmen erforderlich.

Der Energizer:

Als Energiespender kommen entweder Nickel-Metall-Hydride (NiMH) oder Lithiumionen (LiIo) Akkus in Betracht. NiMh-Akkus haben den Vorteil, dass eine Zelle 1,2 Volt hat. So können die Packs maßgeschneidert zusammengesetzt werden. Das Energie/Gewicht Verhältnis ist gut. Die Akkus können auch mit den meisten Ladegeräten geladen werden. LiIo haben den wesentlichen Vorteil, dass die Energieausbeute im Verhältnis zum Gewicht sehr hoch ist. Eine Zelle hat im leeren Zustand 3,6 V und im geladenen Zustand 4,2V. Nachteil der Akkus ist, dass sie mit einem speziellen Ladegerät geladen werden müssen. Der hohe Preis sowie die Anfälligkeit schrecken ebenfalls ab. Sie dürfen auf keinen Fall tiefentladen oder überladen werden. Tiefentladen oder überladen führt zur Selbstzerstörung. Dabei können sie auslaufen. Die Säure ist wesentlich aggressiver als bei Blei/Säure Akkus und zerfrisst wirklich alles. Die Säure ist so aggressiv, dass sich die Akkus im Laufe von 2 - 4 Jahren selbst zerstören. Dennoch sollte mich MediaMarkt davon überzeugen, diese Akkus einzusetzen. Dort gab es auf dem Restetisch neue Laptop LiIo Akkus für 5 €uro, die ich dann auch gekauft habe. Zu Hause habe ich das Gehäuse vorsichtig geöffnet und die LiIo Stangen ausgebaut. In dem Akku waren 9 Stück mit je 3,6 V und 1,3 Ah eingebaut. Davon habe ich 4 Stück (2 in Reihe und 2 Parallel) in die Smit London eingebaut. Somit habe ich 7,2V und 2,6 Ah. Bei einem Stromverbrauch von 400 mA für die Motoren und noch ein bisschen für die Elektronik kann ich über 6 Stunden Vollgas fahren und wer fährt schon 6 Stunden Vollgas. Das reicht vorerst für die meisten Veranstaltungen.

Der Zusammenbau:

Der weitere Zusammenbau des Modells erfolgt in wie üblich.
Ich habe das Modell in Baugruppen zerlegt. Dabei wurden die Baugruppen nach den Farben sortiert. Vor dem Lackieren das Grundieren nicht vergessen. Als Grundierung gibt es im KFZ Bereich eine spezielle Kunststoffgrundierung als Spraydose. Dieser ist farblos und löst den Kunststoff leicht an. Also nicht zuviel auftragen. Nach dem Trocknen (ca. 30 Minuten) klebt die Grundierung leicht. Dadurch haftet die Farbe sehr gut. Damit die Grundierung haftet muß der Kunststoff fettfrei sein. Das geht am besten mit Geschirrspülmittel und Zahnbürste. Handschuhe nicht vergessen, sonst kommt wieder Fett auf die Oberfläche. Nach dem Reinigen gut austrocknen lassen. Ich lege die Teile immer in die Sonne oder im Winter auf die Heizung.
Als erstes waren die Decks dran. Die wurden Grün geairbrusht. Sämtliche Farben sind von Humbrol nach Plan. Die Teile, die von Haus aus auf den Decks sind wurden mit Pinsel und ruhiger Hand lackiert. Das hat die meiste Zeit gekostet. So war nach und nach jedes Teil lackiert. Die Reling brauchen Sie nicht lackieren. Diese am besten sofort entsorgen. Bei mir ist eine geätzte Reling aus neusilber darauf. Diese gibt es von Saemann. Ich habe als Decksreling eine 2 zügige in 1:200 genommen. Für das Peildeck bei den Löschkanonen eine zweizügige 1:250. Die Reling ist mit Farbe von Firma 'ModelMaster' Typ Testor und entsprechender Grundierung lackiert. Der Handlauf ist mit wasserfestem Eding gestrichen. Nachdem alles lackiert war wurden die Klebeflächen mit Schmirgelpapier und Messer wieder leicht freigekratzt. Sekundenkleber hält nicht gut und der Revell Kleber gar nicht auf Farbe. Zu guter letzt noch mehrere Schichten matten Klarlack.

Der Zugang ins Innere:

Ein grosses Problem stellte die Revisionsöffnung dar. Zuerst wollte ich das Deckshaus als Revisionsöffnung nutzen. Hat jedoch zwei Nachteile. 1. Die Öffnung ist sehr klein. 2. Wie verriegelt man die Öffnung? Das Deckshaus einfach über einen Süllrand schieben wollte ich nicht. Zudem besteht die Gefahr, dass man den vorderen Mast bei Revision beschädigt. Schliesslich habe ich das Hauptdeck und Mitteldeck zu einer Einheit samt Deckshaus und vorderen Mast zusammengeklebt. Somit habe ich 2/3 der Schiffslänge als Revisionsöffnung. Das haben nicht einmal die grossen Schiffe. Als Verschluß habe ich die hinteren beiden Kräne genutzt. In die Kransäule habe ich von unten eine M2 Mutter eingedrückt. Die beiden Deckshälften werden mit einer speziellen Schraube miteinander verschraubt. Die Schraube dient gleichzeitig als Halterung für die Kräne. Dadurch sieht man an der ganzen Mechanik nichts. Als Schraube wurde eine M2 Gewindestange genutzt. Darauf habe ich ein Messingrohr mit 2,1/3 mm gelötet. Oben in das Rohr habe ich dann einen Schlitz gesägt. Die Kräne wurden um den Befestigungbolzen erleichert und mit einem 3 mm Bohrer aufgebohrt. Aber vorsichtig, da nicht viel Futter vorhanden ist. Ich habe die Löcher per Hand gebohrt, das dauert zwar länger, aber der Kran überlebt die Aktion. Die gesamte Deckseinheit wird dann von hinten nach vorne in die Führungen des Rumpfes geschoben und hinten verschraubt. Kräne darauf das wars.

Ein/Ausladen:

Damit die Mechanik nicht ständig für das Ein- und Ausschalten des Modells oder zum Laden belastet wird, konnte nicht die übliche Ein/Ausschalttechnik eingesetzt werden. Nach langem Kopfzerbrechen habe ich das Prinzip von 'Norbert Brüggen' mit seinen U-Booten übernommen. Ein-/Ausschalten per Magnet. Zwei Reedkontakte, ein bistabiles Relais und ein Stückchen Lochrasterplatine. Mehr benötigt man nicht. Die Reedkontakte habe ich in die rechte Scheuerleiste geklebt. Das bistabile Relais mit 2 Erregerspulen sitzt neben den Motoren auf der linken Seite. Die Materialien bekommt man bei Conrad. War nur noch das Problem mit dem Laden. Auch wenn ich über 6 Stunden fahren kann, irgendwann muß jeder tanken. Das hat mir viel Kopfzerbrechen bereitet. Wie kann man ein Modell laden ohne es zu öffnen und ohne das man was sieht? Eine Ladebuchse einbauen ist nicht möglich. Zum einen kostet es Gewicht zum anderen kann man die Buchse bei dem Maßstab nicht kaschieren. Eines nachts hatte ich die Lösung. Welches Metall kommt aus jedem Schiff? Richtig das Stevenrohr. Also habe ich die Stevenrohre als Ladebuchse umfunktioniert. Zum Laden baute ich mir einen speziellen Ständer mit 2 Kontakten, die auf die Innenseite der Stevenrohre greifen. An dieser Stelle ist der Lack etwas entfernt worden. Das sieht man aber kaum. Die 'Ladebuchse' ist nur aktiv, wenn das Schiff ausgeschaltet ist. Sobald es eingeschaltet wird, werden die Ladebuchsen abgeschaltet. Dazu verwende ich das bereits beschriebene bistabile Relais mit 2xUM Kontakten.

Die erste Fahrt:

Die Testfahrt erfolgte ohne Probleme. An der Technik habe ich bisher nichts geändert. Wieder ein Beweis dafür, dass sich der höhere Aufwand bzgl. Motoren- und Akkuauswahl vor Beginn bzw. in der Anfangszeit bewährt hat. Im Nachherein sind keine Änderungen nötig. Ich bin schon einige Male mit der kleinen Smit London unterwegs gewesen. Seit Bauabschluss habe ich noch kein einziges Mal laden müssen. Meine grossen Schiffe muß ich nach fast jeder Fahrt laden. Das Modell ist zudem noch übermotorisiert. Bei 60 % Fahrt hat sie Originalwellenbild. Bei Vollgas hat sie einen Pfahlzug von ca. 75 gr. In Anbetracht der Grösse ist das ein gigantischer Wert.


Smit London 1:50 und 1:200

Technische Daten:

Länge: 37,6 cm
Breite: 7,6 cm
Tiefgang: 3,1 cm
Gewicht: 540 gr.
Pfahlzug: 75 gr.
Fahrzeit: > 6 Stunden

Fazit:

Der Bau des kleinen Schiffes hat viel Spaß gemacht. Ich bin immer wieder beim Suchen nach weiteren Modellen in diesem Maßstab. Es ist zwar kein Alltagsmodell, aber es macht vielleicht deswegen immer wieder Spaß damit zu fahren. Die Blicke der Zuschauer und meiner Kollegen über die Größe und Wendigkeit sind auch nicht schlecht. Selbst härteren Wellengang hält sie aus. Was sie nicht mag sind grosse kurze Wellen. Dann stehen schon mal mehrere Tonnen (massstäblich gesehen) auf dem hinteren Deck und müssen enfernt werden.

Hier noch einige Bilder der Fertigen Smit London:

Vielleicht habe ich den einen oder anderen Modellbauer dazu bewegt, auch mal ein solches Modell zubauen. Über einen Erfahrungsaustausch würde ich mich sehr freuen.

Ich wünsche allen Schiffsmodellbauern immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel.

André Czwalina