Der IG SPEZIALSCHIFFE -

Würg-Shop

...was' das denn jetzt ?!?

Seltsame, sehr sehr seltsame Erfahrungen macht man, wenn man lange Zeit das Modellschiffbauen und natürlich das Fahren zum Hobby hat. Ist man in der heimischen Werkstatt weitgehend vor Überraschungen mitmenschlicher Art sicher, so ist am Fahrgewässer genau das Gegenteil der Fall. Geradezu ausgeliefert steht man da, das Modell im Wasser, Sender in der Hand. Dann dauert es oft gar nicht lange, bis sich die ersten Schaulustigen einfinden. Das sind Mütter mit Kindern, oder ganze Familien. Manchmal ein paar Jugendliche. Oder ältere Menschen. Hin und wieder auch starke Verehrer des Gerstensaftes oder anderer Alkoholika. Kurz, die gesamte gesellschaftliche Bandbreite gibt im Laufe der Zeit ihr Stell-dich-ein, wenn man nur lange genug am See verweilt. Die einen stehen dann schweigend da, andere bewundern das Modell und loben den Erbauer. Manchmal bekommt man zu hören, das derjenige selbst mit dem Gedanken spiele, und wie man am besten mit dem Hobby beginnen solle. Doch mit deutlichem Abstand fallen einige Fragen besonders auf, die man ständig und immer wieder zu hören bekommt...

"Wie schnell kann das fahren?"

Wenn es sich um ein Rennboot handelt, dann geht die Frage ja in Ordnung. In Erwartung irgend eines Superlatives steht der Frager, dem der Typ des Schiffes ebenso egal wie unbekannt ist, dann vor einem. Offensichtlich können vorallem Jugendliche überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Original und Modell herstellen, womöglich weil sie warscheinlich nie ein echtes Schiff gesehen haben oder gar mit einem gefahren sind...

"Was kost'das?"

...ist die Frage Nr. 2. In der Vorstellung der modernen Konsumgesellschaft scheint undenkbar zu sein, das es Dinge gibt, die man nicht einfach kaufen kann. Manches Mal wird die Antwort, das solche Modelle selbstgebaute Einzelstücke sind, mit ungläubigem Kopfschütteln abgetan, oder das Interesse ist sofort im Keim erstickt, weil der Besitz eines solchen Modells mit dieser Information in unerreichbare Ferne gerückt wurde.

"Kann dem schießen?"

Man beachte die Wortwahl! Das sagt nun doch schon ein wenig mehr über den Fragesteller aus. Pisa läßt grüßen. Natürlich ist es völlig egal, ob es sich bei dem Modell um ein ziviles oder militärisches Schiff handelt. Für den Modellbauer hoch erfreulich, wenn selbst die offensichtlichen Dinge vom Betrachter völlig verkannt werden. Doch der Beobachter legt gleich nach:

"Ist das die Titanic?" Oder schlimmer noch: "Das IST die Titanic!"

Spätestens jetzt geht einem der Hut hoch. "Schiff ist gleich Titanic". Völlig egal, was es wirklich ist. Denken die denn alle nur in Schubladen? Mach doch mal ein Experiment: Frage eine beliebige Person, welche Schiffe sie kennt. Ich wette, in 90 Prozent aller Fälle wird das so oder ähnlich verlaufen:

"Welches Schiff kennst Du?"

"Die Titanic."

"Welches noch?"

"Das Traumschiff"

"...noch eins?"

"Ach laß mich doch mit dem Sch... in Ruhe!!!"

* * *

Eine weitere Variante haben wir mit einem Hafenschlepper, der WYEFORCE, erlebt:

"Das ist eine Autofähre. Da sind so Tore dran, wo die Autos reinfahren können."

Himmelherrgott!!

* * *

Oder der:

"Ich hab auch mal ein Schiff gehabt. Die Titanic! Mit Brennmotor! 5 PS!!

Na klar. "Fall' in den Teich und ersaufe...!" Überhaupt, BRENNMOTOR!!

* * * * *

Grundsätzlich scheint es um viele Begriffe Unklarheiten zu geben, leider nicht nur bei Zuschauern, sondern auch bei anderen "Modellbauern". Wer

"Zekundenkleber"

sagt, der sagt auch

"Zity" oder "AriZona".

Das fällt wohl noch unter die Kathegorie "Englisch für Hausfrauen über 50", ähnlich wie bei einem Fall in einem bekannten online-Auktionshaus. Dort war zu lesen von einer Auktion namens

"Spiet-Boot".

Bedenklicher als das stimmt mich, wenn da auf einmal die Rede ist vom

"2-Kontinenten-Kleber"

Hat der Betreffende nun in Geographie oder in Chemie geschlafen?? Vermutlich in beidem.

* * * * *

Hätte ich in meinem Leben nicht schon so viele Stunden an den Gewässern verbracht, dann hätte ich wohl nie erfahren, was eine

"Kork-Düse"

ist. Sicherlich wäre mir auch verborgen geblieben, das das gemeine Teil zur Bekämpfung feindlicher Schiffe

"Tompedo"

heißt! So habe ich auch gelernt, das die

"Unterflossung"

bei einem Schlepper dazu da ist, um

"beim schnellen Vorwärts- und Rückwärtsgasgeben das Vor- und Zurückschaukeln zu verringern"

Gemeint waren hier die Dockstützen, der Begriff erklärt sich von selbst.

Richtig beruhigt bin ich dann, wenn man mir dann versichert, das der betreffende durch mein Vorbild angeregt nun auch mal ein Schiffsmodell bauen wird, und zwar

"...so richtig groß!

In ganz großem Maßstab.

So eins zu tausend oder so...!"

Ahhh ja...

* * * * *

Doch an jedem Teich gibt es natürlich auch versiertere Zuschauer, die durchaus konkretere, technische Fragen auf Lager haben. Der Favorit unter diesen Fragen ist eindeutig:

"Wie weit kann das fahren?"

Auch an dieser Frage, von einem Greenhorn gestellt, wäre ja eigentlich nichts auszusetzten. Doch leider erkennt der Profi den bitteren Beigeschmack leidvoller Dickie-Erfahrungen, die sich dahinter verbergen und die so mancher Opa oder Enkel in den letzten Jahren machen mußte. Da wird des Sonntages das stolze, neue Fertigmodell zum Modellteich getragen, dorthin, wo immer auch die anderen tollen Schiffe fahren. Dort angekommen wird bar jeder Fachkenntnis einfach eingeschaltet und - nichts geht. Das tolle Teil rührt sich nicht einen Millimeter vom Fleck, obwohl es eben noch zu Hause auf dem Ostertisch funktioniert hat. Und auch Opa, der dem Enkel den Sender aus der Hand genommen hat, kann hier nichts mehr ausrichten, denn eifrig wie die kleinen sind, treibt das Fertigteil ja schon außerhalb der "mechanischen" Reichweite der Antenne auf dem Wasser. So obliegt es dann uns, zuerst den Havaristen zu bergen und anschließend die enttäuschten Eigner aufzuklären:

"Nein, das funktioniert nicht, wenn die großen Modelle in der Nähe sind. Nein, auch nicht, wenn Sie ans andere Ufer gehen. Die Sendeleistung der Fertigmodelle und die Trennschärfe deren Empfänger ist miserabel. Das tut mir leid, aber das ist einfach so. Unsere Sender bügeln das Signal ihres Spielzeugs."
usw, usw...

Es ist eine Schande, das besagter Hersteller einen derartigen Müll an den potentiellen Nachwuchs verkauft, obwohl zum selben Hause ein nahmhafter RC-Car-Hersteller gehört, der es wissen müßte. Sowohl die absolut mangelhafte Reichweite unter idealen Bedingungen als auch die völlige Inkompatiblität mit "vernünftigen" RC-Anlagen sind absolut inakzeptabel. Die Folge davon ist Frust beim Kunden und der Nachwuchs wird statt des Schiffsmodellbaus andere Spielsachen suchen, die besser funktionieren. Und da beschweren sich die Hersteller, das der Nachwuchs ausbleibt?!

* * * * *

Dann wäre da der fortgeschrittene Anfänger, oder auch der faule oder, was besonders häufig vorkommt, der geizige "Fortgeschrittene". Zeigte man mir da doch letztens einen vermeintlich kaputten Akkupack aus einem Rennboot mit mittlerer Motorisierung. Mal würd' er gehen, und mal nicht. Ob man das wohl

"remparieren"

könne. Das sieht nun nach einem Wackelkontakt aus. Um es kurz zu machen: Weil der Lötkolben zu schwach war um die Zellen zu löten, hatte der Experte die Verbindungen zwischen den Zellen mit Heißkleber aufgeklebt! Ich weiß heute nicht mehr, in welche Kathegorie der betreffende Elektronikheld am ehesten passen würde. Als fortgeschrittenem Anfänger könnte man ihm ja einfach als unwissend entlassen. Der faule wäre warscheinlich zu faul, statt des kleinen den großen Lötkolben anzuschließen, wo doch die Klebepistole eimal heiß war. Der geizige besitzt erst gar keinen großen Lötkolben. Er ist ihm schlichtweg zu teuer!

* * * * *

Mit dem kaufen ist das an sich schon so eine Sache... Da stehen wir am Teich, als plötzlich - wie nennt er sich? - der

"Ehrenamtliche Umweltwart"

auf der Bildfläche erscheint. Nach einigem hin und her meint er dann, halb zu sich selbst, aber so das es alle hören können:

"Wenig Enten hier... Da muß ich wohl mal wieder Bescheid sagen, das sie ein paar Enten holen."

"Wie? Wo??"

"Ja bei der Stadt. Das sie 'n paar Enten holen."

"Ja wie, holen? Woher denn holen??"

"Ja kaufen, im Zooladen oder so. Damit hier wieder mehr Enten sind."

Ich schwör's. Seitdem glaub ich an die Begegnung mit der dritten Art!

* * * * *

Für viele gestrandete bieten die online-Auktionen die geniale Möglichkeit, von der Überforderung durch das Wunschmodell loszukommen. Für uns ist das natürlich ein gefundenes Fresschen, denn die Qualität der Ware scheint oft

"omportional"

zum Verstand der Verkäufer zu sein. Und so ist auch außerhalb der Teichsaison für ausreichend Belustigung gesorgt. (Für alle, die das nicht verstehen: Proportional. Dieses Wort sollte man als Modellbauer kennen!!)

Ich fand eine Offerte namens

"Verrennerboot",

wobei es sich noch um einen Tippfehler handeln könnte.

Ein Modell war mit einer

"Perriesing"

ausgestattet, der gewitze Leser erkennt sofort: Persenning muß das heißen.

Zum Bereich Elektronik gehört der

"Dikoda",

ein von alle Geizhälsen geschmähtes Bauteil.

Ein angebotener

"Fisch Trailer"

stellt nicht etwa ein Sportbootanhänger-Modell zum trailern von Zierfischen dar, sondern ein Hochseefahrzeug, das für den Fischfang benutzt wird!

Was ein

"Bärenkraftmotor"

zu leisten vermag und ob er nur für Modell-Bären geeignet ist, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Wohin gegen der Plural von power-boat natürlich

"Powerboate"

lauten muß.

Und bis zum Ende seiner Auktion hat sich wohl der Besitzer des

"Lotzenbootes"

gefragt, was wohl ein Lotze sein könnte!

HN