IG-SPEZIALSCHIFFE-Workshop

Grundfunktionen der Computersender

Hanno Niesler

Wärend der Arbeit an dem Workshop-Beitrag "Der F14-Horizont" ist mir der Gedanke gekommen, das es manchen vielleicht eine Hilfe sein könnte, etwas über die Grundfunktionen der Computersender zu lesen. Denn gerade der Computersender-Einsteiger muß sich bei preiswerteren Geräten mit einem oftmals kleinen Display mühen, die dort aufgeführten, in der Regel englischen Abkürzungen zu verstehen. Zu meinen Beständen gehört eine Graupener mc-16, (Die Alte, nicht die mc-16/20!) welche in Sachen Unkomfortablität und Unübersichtlichkeit alle Preise abräumt. Doch nach einer kurzen Eingewöhnung ist auch das kein Problem, man muß nur einmal den Sprung ins kalte Wasser wagen und den Anfang machen. Ebenso ist es nicht jedermanns Sache, anhand der Anleitung jeden einzelnen Schritt durchzugehen und die entsprechende Funktion auswendig zu lernen...

Schaltet man die neue Computeranlage zum ersten mal ein, benimmt sie sich ganz wie ein klassischer Sender. Außer der Tatsache, das vielleicht die Spannung des Senderakkus digital angezeigt wird, und das bei den neusten Exemplaren die Trimmung mittels Tiptasten statt der üblichen Schieber verstellt wird, wird man kaum einen Unterschied feststellen. Jeder Kanal wird eins zu eins an den Empfänger übertragen. Und wenn man ab jetzt nichts weiter an den Sendereinstellungen unternimmt, hat man aucht nicht mehr als eine scheinbar ganz "normale" Anlage.

Während für die Modellbauer der fliegenden Zunft viele Funktionen und Einstellungen schon vorbereitet sind, wie z.B. spezielle Mischer, gibt es für den Schiffsmodellbauer eigentlich keine Standart-Einstellungen, die modelltypisch wären, und die einem viel Arbeit abnehmen. Daran mag es liegen, das die Flieger den Computersender mit weitaus weiter geöffneten Armen empfangen haben als die Schiffsmodellbauer, denen sich der Sinn der Sache offensichtlich erst beim zweiten Hinsehen zu erschließen scheint.
Aber hoffentlich wird schon nach den ersten Schritten deutlich, das ein Computersender auch für den Schiffsmodellbauer eine Bereicherung darstellen kann, denn bereits die Grundfunktionen erweisen sich sehr schnell als ungemein praktisch.

Bei der Beschreibung liegt mir meine alte mc-16 zu Grunde, aber weil die beschriebenen Punkte eigentlich für beide führenden Hersteller gelten, werde ich sie nicht mit Fotos belegen. Mag sein, das bei robbe/Futaba der ein oder andere Begriff etwas anders ist, aber im Prinzip ist alles ganz ähnlich, wenn nicht gleich.

Die Modulationsart
PPM, (PPM24,) PCM, (SPCM), usw.

Neben den Einstellmöglichkeiten über das Display hat man bei den meisten Anlagen auch die Signalübertragung digitalisiert. Dabei gilt vor allem für den Schiffsmodellbauer, das "digital" nicht unbedingt besser ist als "analog". Beide Modulationsarten haben ihren Vor- und Nachteile. Ich will das hier technisch gar nicht weiter untersuchen, da Grenzbereiche, die Flieger schon mal eher erreichen, für Schiffsmodellbauer weniger eine Rolle spielen. In Bezug auf Störsicherheit wirken sich bei Modellschiffen ganz andere Faktoren wesentlich gravierender aus als die Wahl der Modulationsart. Viel wichtiger ist zu wissen, das die quasi-analoge Betriebsart PPM, also das, was alle Nicht-Computersender ausspucken, zwischen den Herstellern weitestgehend kompatibel ist, während jeder beim digitalen PCM seine eigene Suppe kocht. Das bedeutet, das man mit einer Graupner-Anlage einen robbe/Futaba-PPM-Empfänger steuern kann und umgekehrt, aber PCM-Empfänger hören immer nur auf den Sender des selben Fabrikates.

Entschließt man sich dennoch, die Anlage PCM-Betrieb einzusetzen, dann muß man wissen, das es bei Graupner-Anlagen nicht möglich ist, nautic-expert- oder multi-prop-Kanalerweiterungen zu betreiben. Bei robbe/Futaba (MultiSwitch / MultiProp) geht das sehr wohl. Dazu muß am Decoder ein kleiner Codierschalter umgelegt werden (neben den Anschlußbuchsen). Die Graupner-Decoder sind da etwas rückständig, die robbe/Futaba-Geräte arbeiten intern mit einem Microprozessor. Da ich ich aber behaupte, das für Schiffsmodellbauer PCM in 99,99% aller Fälle keine Vorteile bietet, sollte dieser Umstand nicht unbedingt kaufentscheidend sein.

Die Modulationsart PPM24 ist ein Graupner-Special, hier werden statt möglicher 9 bis zu 12 Kanäle übertragen. PPM24 ist nicht mit robbe/Futaba-Produkten kompatibel, sondern es gibt zur Zeit nur einen Graupner-Empfänger namens DS-24 dafür. PPM24 ist allerdings mit den nautic-Modulen kompatibel.

SPCM ist ebenfalls eine Graupner-Erfindung, hierbei wird im Digitalbetrieb eine doppelt so hohe Auflösung des Knüppelweges im Vergleich zu Graupner-PCM erreicht. So weit ich weiß ist die hohe Auflösung von 1024 Schritten bei robbe/Futaba aber sowieso Standart. Für Modellschiffbauer ist das allerdings ziemlich irrelevant.

Fazit:
PPM ist der gute Standart für Modellschiffe. Falls die 9 Kanäle nicht reichen sollten gibt's PPM24. PCM/SPCM ist etwas für seltene Spezialfälle.

Die Steueranordnung
Gas links, Gas rechts, usw.

Die Steueranordnung legt die Zuordnung der Knüppel zu den Kanälen 1 bis 4 fest. Da die Funktionen "Dual Rate", "Exponential" und ggf. "Kanal 1 Kurve" nur begrenzt zur Verfügung stehen, wird hier festgelegt, auf welchen drei Knüppelwegen "Dual Rate" und "Exponential" zur Verfügung stehen, und welchem Knüppel der Kanal 1, der Gas-Knüppel zugeordnet ist.

Die Steueranordnung sollte rechtzeitig, sprich sofort zu Beginn der Senderprogrammierung, fesgelegt werden, damit man später nicht wieder alles ändern muß und dabei völlig durcheinander kommt. Es empfiehlt sich überhaupt immer, schriftlich die einzelnen Schritte der Programmierung festzuhalten, sei es, um die Übersicht zu erhöhen, während man sich durch die Menüs ackert, oder um später, eventuell nach Jahren, die ganze Sache nachvollziehen zu können. Ich hab das nie gemacht und die Quittung dafür habe ich dann beim Schreiben des Beitrags "Der F14-Horizont" serviert bekommen!

Die Modellspeicher
Etwa für jedes Modell noch mal von vorne anfangen??

Natürlich bleiben die einmal getroffenen Einstellungen bei Ausschalten des Senders erhalten. Besitzt man mehrere Modelle, können die betreffenden Daten aus dem jeweiligen Modellspeicher geladen werden. Es soll ja Leute geben, die vier oder fünf oder noch mehr F14 besitzen, jede mit anderen Modulen für andere Einsatzfälle ausgebaut... Aber es ist nur ein Computersender für alle Modelle nötig, die man hat. Egal, ob sich dabei auch Flugzeuge, Hubschrauber, Autos oder was auch immer befinden.

Wer komplexere Programmierungen vornehmen will oder viele Modelle gespeichert hat, dem kann ich einen Sender mit Schnittstelle oder einer anderen Möglichkeit, ein Backup zu erstellen, empfehlen. Muß man nämlich den Sender zum Service einschicken oder gibt es ein anderes Problem, spart man sich unter Umständen stundenlanges neuprogrammieren.

Die Servoeinstellungen:

Wesentliche Funktion eines Computersenders ist die Fähigkeit, diverse Einstellungen für die Servos zu übernehmen. Der Sender "merkt" sich z.B., wie weit ein Servo zu jeder Seite ausschlagen soll, wo der Mittelpunkt liegt, und ob die Laufrichtung für den betreffenden Kanal umgekehrt werden soll. So werden dem Modellbauer eine ganze Reihe Justagearbeiten abgenommen, spätere Änderungen können komfortabel vorgenommen werden. Da die Funktionen "on the fly" ausgeführt werden, ist ein Abgleich vieler Einstellungen bei fahrendem Modell möglich.

1. SERVO-REVERSE
Servo-Laufrichtungsumkehr

Sollte sich nach der Montage eines Servos herausstellen, das die Laufrichtung verkehrt herum erfolgt (Z.B. Knüppel nach links, Ruder nach Steuerbord), kann die Laufrichtung hier für jeden Kanal einzeln umgekehrt werden

Vorsicht geboten ist bei dieser Funktion für Fahrtregler. Fährt das Modell rückwärts, obwohl der Knüppel nach vorne bewegt wird, darf nicht einfach am Sender die Laufrichtung geändert werden. Denn fast alle modernen Fahrtregler sind nicht symmetrisch aufgebaut. Das heißt, Vorwärtsgang ist nicht gleich Rückwärtsgang. Da gibt es Fahrtregler, die zur Umpolung des Motors ein Umpolrelais verwenden. Dieses zieht dann statt bei selternerer Rückwärtsfahrt bei der häufigeren Vorwärtsfahrt an und leert unnötig den Empfängerakku. Man erkennt diese Regler am Klickgeräusch beim Übergang von Vorwärts- nach Rückwärtsfahrt. Andere Fahrtregler sind im Rückwärtsgang weniger belastbar als vorwärts. Hier besteht dann die Gefahr der Überlastung. Auf jeden Fall sollte man also prüfen, ob der Regler richtig betrieben wird, statt der Servolaufrichtung muß dann der Fahrmotor umgepolt werden.

2. SUB TRIM
Servo-Mittelpunkteinstellung

Der Mittelpunkt des betreffenden Servos wird hier eingestellt. Ohne Computersender hatte man für eine grobe Einstellung nur die Möglichkeit, die Servoscheibe umzustecken, das Servo zu verschieben oder die Trimmung des Kanals zu benutzen. Jetzt lassen sich diese Einstellungen bequem vom Sender aus erledigen, die Kanaltrimmung steht danach noch zusätzlich voll zur Verfügung.
Am Fahrtregler sollte die Werkseinstellung beibehalten werden, die Justage des Nullpunktes vom Sender aus ist günstiger. Das hat nämlich den Vorteil, das man am Teich den Regler neu justieren kann, auch wenn man dessen Programmieranleitung (natürlich...) zu Hause gelassen hat. Denn die Zeiten der Fahrtregler mit Potis zur Einstellung sind ja leider vorbei, heute muß man x-mal eine winzige Taste und abwechselnd den Senderknüppel betätigen. Und wehe, man vertut sich einmal dabei, dann geht der ganze Spaß wieder von vorne los! Also doch lieber über den Sender einstellen...

3. THROW ADJUST
Servo-Wegeinstellung

Mit dieser Funktion wird die Laufweite der einzelnen Servos eingestellt, festgelegt, wie weit ein Servo maximal ausschlagen soll. Die Einstellung über den Sender ist natürlich viel feiner möglich als durch das sonst übliche Umstecken der Ruderanlenkung, und das für jede Richtung getrennt.
Auch hier sollten Fahrtregler in ihrer werksmäßigen Standarteinstellung belassen werden, der Maximal- und Minimalpunkt wird mit Throw-Adjust eingestellt.

4. DUAL RATE
Umschaltbare Servoempfindlichkeit

Die Funktion Dual Rate spielt für den Schiffsmodellbau eine untergeordnete Rolle. Per Schalter können Servos in ihrer Laufweite begrenzt oder auch erweitert werden.

5. EXPONENTIAL
Exponential-Steuerkurve für Servos oder Fahrtregler

Wenn der Regelbereich des Fahrtrehglers zu grob ist, oder das Ruder zu abrupt reagiert, so das das Schiff bei Ruderbetätigung zur Seite kippt (insbesondere bei schlanken Rümpfen oder Modellen mit hohem Schwerpunkt), kommt die Exponentialfunktion zum Einsatz. Hiermit kann ein butterweiches Ansprechen des Ruders oder extreme Feinfühligkeit des Fahrtreglers erreicht werden.
Allerdings sollte zur Justage des Letzteren die Funktion "Kanal 1 Kurve" bevorzugt werden, sofern der Sender diese bietet.

Der erste MISCHER...

Nachdem einigen Nachtfahrten mit meiner NORDERNEY kam der Wunsch nach einem schwenkbaren Suchscheinwerfer auf. Diese Funktion läßt sich recht leicht mit einem Servo realisieren. Dieser wird entweder an einem freien Kanal angeschlossen und manuell bedient, oder man verwendet ein Y-Kabel und schließt den Scheinwerferservo parallel zum Ruderservo an. Stimmt die Laufrichtung mit der des Ruderservos überein, leuchtet der Scheinwerfer immer in die Richtung, in die man steuert. An dieser Stelle kam ich seinerzeit zum ersten mal auf die Idee, einen Mischer zu verwenden. Da sich Mischer per Schalter zu- und abschalten lassen, kann die Funktion "Scheinwerfer mitlenken" per Schalter deaktiviert und der Suchscheinwerfer manuell betätigt werden.

Benötigt wird für diese Funktion ein frei programmierbarer Mischer, oder ein Mischer, der den betreffenden beiden Kanälen fest zugeordnet ist. Das Signal des Ruderknüppels wird auf den Scheinwerfer-Schwenk-Kanal gemischt (z.B. mit 100%). Ein Mischerschalter schaltet die Funktion ab, wenn man mit dem Geber (z.B. Kanalschieber) des Scheinwerfer-Schwenk-Kanals den Scheinwerfer manuell betätigen will.

* * * * * * * * * *

Diese Grundfunktionen sind obligatorisch für alle nachfolgend beschriebenen Programmierungen, ich setzte sie bei den komplizierteren Programmierbeispielen des Beitrags "Der F14-Horizont" als bekannt vorraus und erwähne sie nicht extra. Die folgenden Programmierbeispiele bauen also auf diese Grundeinstellungen auf.

HN

weiter:

Der F14-Horizont