IG-SPEZIALSCHIFFE-Workshop

Nix Immitation ... sondern echte Oelhydraulik!

Hermann Zimmermann

Wenn man schon im Maßstab 1:50 einen funktionstüchtigen Kran realisieren kann, dann erst recht, wenn der Maßstab 1:12,5 oder in einem weiteren Falle 1:12 beträgt. War der Kran im Maßstab 1:50 für den Eisbrecher "Ale" noch über einen imitierten Zylinder mit einer Spindel im Innern zu betreiben, so ist das bei einem Kran, welcher zwei Hubzylinder und einen Auszugzylinder besitzt und bei einer Höhe von 140 mm und einer Ausladung von total 220 mm hat, technisch nicht mehr mit einer Imitation machbar.
Ich war also mit einer hydraulischen Lösung konfrontiert, obwohl ich mich als Elektroniker bis jetzt immer mit einer elektronischen Variante retten konnte. Sie können mir vielleicht nachfühlen, wie es einem geht, wenn man sich in ein völlig unbekanntes Metier einarbeiten soll, von dem man nur von Hörensagen eine Ahnung hat.

Kran und Hydraulik der HAFENAMT 1

Wieder einmal wurden alle Fachzeitungen und Unterlagen durchgearbeitet auf der Suche nach einem Hinweis. Beim VTH-Verlag wurde ich fündig und habe die Baumappe für die Herstellung einer Modellhydraulik bestellt. (Verlag für Technik und Handwerk GmbH, D76492 Baden-Baden, Best Nr. AMT 5031). Nach dem Studium des Planes wurde mein Gesicht immer länger und war schon wieder mit anderen Lösungsmöglichkeiten beschäftigt. Immer wieder kam ich auf die Baumappe zurück, denn irgendwie hatte mich die Hydraulik gepackt. Der Motor mit angekoppelter Oelpumpe sowie die Herstellung der Zylinder erschien mir als möglich, einige Rückschläge eingeschlossen. Jedoch ein Öldruck von 10 bis 70 bar hielt ich für völlig übertrieben, zumal ich mir nicht vorstellen konnte, wie halbwegs realistische Schlauchdurchmesser solche Drücke aushalten sollten. Reden wir nicht davon, woher nehmen. Für mich völlig aussichtslos erwies sich die Ventilsteuerung, denn ich habe keine Frässeinrichtung, geschweige einen guten Kollegen mit einer solchen. Folglich wurde die Baumappe endgültig auf Seite gelegt.

Wenn die Verzweiflung am größten ist, stöbert man in allen möglichen Zeitschriften und da ich gerne mal über den Zaun gucke, was die Kollegen der anderen Sparten so machen, stieß ich auf die "Truck Modell". Hier fand ich Adressen von einigen Firmen, welche sich mit Oelhydraulik für Truck-Modelle, Bagger, Tieflader etc. beschäftigen. Eine Firma möchte ich hervorheben, weil sie vom ersten Augenblick mit einer umfassenden Beratung als auch Sachkenntnis aufwarten konnte. Es ist die Firma Leimbach Modellbau, Im Winkel 5, D 49191 BeIm. Nachdem ich den Katalog studiert hatte, war mir schon wesentlich wohler und sah den Kran schon plastisch vor meinem geistigen Auge. Auch wurde mir angeboten, die Planskizze des Kran zu zuschicken und umgehend erhielt ich eine Offerte. Da waren nun die Komponenten aufgelistet: Motor mit Oelpumpe, Filter, 3-fach Ventileinheit mit 3 Miniservo, ein Zylinder aus der normalen Baureihe und je ein Zylinder als Sonderfertigung, da Überlänge. Dazu Klemmen, Schläuche und die Hydraulikflüssigkeit. Inzwischen haben wir uns in der Modellbranche an stramme Preise gewöhnt, dennoch verursachte der angeführte Preis für einen kleinen Schluckauf. Der ganze Spaß kostete 700,--. Wenn ich mir die Preise von Modell-Dampfmaschinen-Bausätzen wie auch Fertigfabrikaten ansehe, finde ich den Preis angemessen. Klar, man hätte mir auch den kompletten Kran hergestellt, aber das hätte das Budget bei weitem gesprengt.

Kran der HAFENAMT 1 Kran der HAFENAMT 1

Nach den Onginalunterlagen wurden Alu-Vierkantrohre zugeschnitten. Die zwei Hubelemente sind abgeschrägt und so wurde der Vierkant entsprechend abgesägt und mit 5 mm ABS wieder verschlossen und abgerundet. Verstärkungen wurden nach Vorlage aus Messing ausgesägt und an Ort und Stelle verklebt. Für die Achsen wurde 2 mm Silberstahl verwendet, welcher an beiden Enden mit einem Seegerring abgeschlossen wurde. Um den Kranauszug zu realisieren, wurden zwei Linearkugellager hinter einander angeordnet, in welchem ein Messingrohr für den Auszug läuft. Nur so konnte eine reibungsarme Lösung erreicht werden, wenn der Kranhacken im ausgefahrenen Zustand max. 700g heben sollte.

Inzwischen war die Lieferung der Firma Leimbach eingetroffen, alles gesichtet und zusammen mit der Anleitung sich ein Bild von der Oelhydraulik gemacht. War doch nicht so kompliziert, wie es anfänglich aussah. Die Zylinder wurden in den Kran eingepaßt und danach wieder entnommen. Zuerst mußten die Kranelemente geschliffen, entfettet und grundiert werden. Nach gründlicher Trockenzeit wurde fein überschliffen und erneut grundiert mit Simprop Polyurethan Haftprimer. Da das Original cremefarben gestrichen ist, wurde mit weiß gespritzt und nach Durchtrocknen mit Simprop Polyurethan Klarlack überspritzt. Dieser Klariack hat eine leichte gelb bis Braunfärbung und so ergibt sich schlußendlich der cremige Farbton.
Auf dem Computer wurden die Hinweisschilder im Maßstab 1: 12,5 gezeichnet und geschrieben und farbig ausgedruckt. Mit erhabenen Abreibbuchstaben kam das Fabrikat HAP, und die zulässige Kranbelastung "0,7TO" auf die entsprechenden Flächen. Erst jetzt wurden die Hydraulikzylinder an ihren endgültigen Ort montiert und die Anschluss-Schläuche eingezogen.

Auf einer Grundplatte, deren Platz im Schiff schon lange vorher reserviert war, wurden Oelpumpe, Filter, Manometer und die Ventileinheit montiert. Die Schlauchanschlüsse des Krans habe ich lang genug gelassen, um erst einmal alles provisorisch auf dem Tisch auszuprobieren, bzw. richtigerweise gesagt, Unsicherheiten abzubauen. Die Miniservo wurden präpariert und an die Ventileinheit geschraubt, um dann erst einmal trocken bewegt zu werden.

In den Oltank wurde Hydrauliköl eingefüllt und zuerst einmal, genau nach Anleitung, mit 6 Volt ( spätere Betnebsspannung 12 Volt) in Betrieb genommen. Da sich die Schläuche und Zylinder erst einmal mit der Hydraulikflüssigkeit füllen müssen, ist es notwendig, von Hand den Hub der Zylinder zu unterstützen. Durch diesen Vorgang schäumt die Flüssigkeit etwas auf. Nach diesem Einlaufvorgang konnte mit der Fernsteuerung die Ventile bewegt und die entsprechenden Zylinder gehorchten dann einwandfrei, wenn auch noch etwas kraftlos. Erst nachdem die 12 Volt Betriebsspannung angelegt war, konnte ich sehr überrascht feststellen, welch gewaltige Kraft in den kleinen Zylindern aufgebaut wird. Der Betriebsdruck war jetzt ca. 10 bar.

Für das Kranfundament wurde die Lagerung einer ausgedienten Diskettenstation verwendet, welche in einem stabilen Rahmen zwei Rillenkugellager beherbergt und damit völlig wackelfrei steht. Die Krandrehung wurde mit den Schwenkzylindern nur angedeutet, ist aber mit einem Zahnriemen ausgeführt. Auf einem starken Hitec-Servo ist ein Zahnriemenrad mit doppelt so vielen Zähnen als das Kranzahnrad hat, montiert. Daraus ergibt sich eine Krandrehung von 2 x 90. Neben dem Fundament sehen Sie die Schlauch-Anschluss-Batterie, welche unter Deck zu den Ventilen führt.

Kranfundament HAFENAMT 1

Wie schon gesagt, hebt der Kran in der Endstellung, Auszug ausgefahren, 700 g und in eingefahrenem Zustand spielend 2 kg. Bis jetzt war noch kein echter Kranbetrieb erforderlich, lediglich einige Havaristen konnten so auf den Hacken genommen und ans rettende Ufer geführt werden.

Sie wissen, wie das ist, hat man einmal Blut geleckt, läßt einen die Sache nicht mehr los. Ein weiterer Modellneubau stand vor der Vollendung und zwar ein Festmacherboot einer norwegischen Reederei, welche in der Gas- und Oel-Exploration beschäftigt ist. Ein ein typischer Schlepperrumpf, kurz, gedrungen und bullig. Umklappbarer Mast, Ueberrollbügel (Schutzbügel), Schlepphacken und ein Kran. Das alles im Maßstab 1:12 ist 90cm lang und 16 kg schwer. Nicht viel kleiner als der zuvor beschriebene Kran, ist der Neue mit 130 mm Höhe, einer Ausladung von 140 mm und bei max. Auszug von 200 mm.

Kran FOX Kran FOX Kran FOX

Bedenkt man die Kosten einer Oelhydraulik, würde ein Antrieb mit den neuen Steba Miniatur-Getriebemotoren eher noch günstiger kommen. Sowohl der Hubzylinder als auch der Auszug wäre über diesen Motor mit einer Spindel realisierbar. Der einzige Hacken an der Sache wären die Endschalter. Ich besitze winzige Endschalter, dennoch war mir nicht wohl bei dem Gedanken. Also bin ich reumütig zur Oelhydraulik zurück gekehrt, ohne nicht vorher noch einen Abstecher in die Pneumatik zu machen. Angeregt durch die Pneumatik-Zylinder der Firma Lego, habe ich mal das ganze System in Luftdruck aufgebaut. Funktioniert tadellos, jedoch mit einem großen Nachteil. Die Steuerventile von Lego sind natürlich entweder-oder-Ventile und somit geht alles sehr ruckartig und nicht so gleitend wie in der Hydraulik. Also Umbau in die endgültige Oelhydraulik. Durch die vorhergehende Erfahrung war der Einbau und die Installation ein Kinderspiel. Ein Provisorium auf dem Tisch konnte entfallen und der Kran funktioniert perfekt. Die Krandrehung wurde nach bekanntem Muster übernommen und diverse Rollen im Innern der Kranelemente sorgen für eine reibungsarme Führung des Kranseiles, welches unter Deck auf eine Trommel aufgespult wird. Einem normalen Servo wurde das Rückmelde-Poti entfernt und durch ein Spindel-Potentiometer mit 5 Umdrehungen ersetzt.

Skizze Kran FOX

Wenn Sie nun auch Spaß an der Oethydraulik gefunden haben, dann machen Sie weiter im Lotto, oder wenn noch unverheiratet, suchen Sie eine reiche Frau, oder machen Sie es wie ich, bringen Sie Ihre Bauerfahrungen zu Papier, dann sind die Kosten eher erschwinglich. Die Firma Leimbach (Familienbetrieb ) steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite und auch ich kann Ihnen bei speziellen Fragen des Schiffsmodellbau als auch Elektronik behitflich sein.

Hermann Zimmermann
HZ