IG-SPEZIALSCHIFFE-Workshop

Ein kleiner Foto-Crash-Kurs für Eisbrecher-Modellbauer

von Peter Frieß

Ungetrickste Aufnahmen mit dem Modell (Teil 1)

Die Mehrzahl aller Modellbauer möchte das gute Stück nicht nur auf dem Wasser dümpeln sehen, oder an unmaßstäblichem Eis scheitern, sondern in entsprechend lebensnaher Umgebung dargestellt. Erst recht die Erbauer vieler Standmodelle suchen die Pseudorealität. Ob es die aufgewühlte See in der Buddel ist, der Dockstapel als Ständer, das Diorama, das Schiffsfoto aus Schwimmerperspektive im Baggersee, oder das Papiermodell vor der Fototapete, gemeinsam ist allen der Wunsch ihres Erbauers nach authentischer Umgebung.


Speziell bei den Eisbrecher-Modellbauern wird dieser Wunsch in manchen Breiten dadurch erschwert, dass ein passendes Original-Ambiente nicht, oder nur selten vorhanden ist. Der Nachbau aus verfügbaren Ersatzmaterialien ist eine aufwendige Angelegenheit und erfordert bei Fahrmodellen erhebliche Abmessungen. Zum Glück gibt es für uns "Eismänner" drei glückliche Umstände:

1. Schneefall
2. Digitalkameras
3. digitale Bildbearbeitung


Unabhängig vom Funktionsprinzip der verwendeten Kamera sind Fotos im Schnee ein guter Anfang. Natürlich hat man mit einer SLR-Kamera schon beim Aufnehmen manche technische Hilfe das Ergebnis zu beeinflussen (wie z.B.: die Tiefenschärfe gezielt zu steuern), aber das ist nicht zwingende Voraussetzung für gut inszenierte Shots.
Eigenartigerweise erkennen selbst "unkundige" intuitiv auf den ersten Blick, dass mit so manchem Foto "irgendetwas" nicht stimmt: "Das ist doch garantiert nicht echt?" Damit ein Modell nicht gleich als solches erkannt wird, sollten ein paar Ratschläge beherzigt werden:

a) keine Perpektiven, die es im Original nicht gibt
b) kein Blitz
c) keine Zivilisationspsuren am Bildrand oder im Hintergrund
d) je weniger Details das Modell hat, desto schneller wird es als solches erkannt


Das hier soll kein Kochbuch für perfekte Fotos werden, sondern ein paar Denkanstöße austeilen, denn eigentlich gehört das Herumexperimentieren zum Fotografieren genauso dazu, wie zum bauen. Oder!?

Perspektive

Eisbrecher werden im Eis selten aus Augenhöhe über dem Meeresspiegel aufgenommen. Solche Fotos kommen überwiegend von Forschern / Passagieren, die vorher ausgestiegen sind. Meist sind neben dem Eisbrecher noch andere Personen zu sehen. Ein solche Perspektive ist mit dem Modell kaum nachzustellen und vor allem je schwieriger, desto kleiner das Modell.
Die Überzahl der Originalfotos werden entweder von passierenden Eisbrechern aus gemacht, wobei man dort dann auf den höheren Decks steht (und oft noch Teile vor dem Fotografen mit im Bild sind), oder vom Helikopter aus. Das heißt, dass zwei Perpektiven als "normal" wahrgenommen werden, andere wecken eher Mißtrauen.


Blitz

Das Blitzen befreit unsere Fotos zwar von der drohenden Gefahr einer Unterbelichtung, schafft jedoch starke Kontraste, deutliche Konturen und Schlaglichter. Insbesondere die mit abgelichtete Umgebung weist mit zunehmendem Abstand vom Objekt eine starke Helligkeitsabnahme auf. Deshalb: keinen Blitz!
Im Original kommen unterschiedliche Lichtverhältnisse vor (gleichmäßiges, diesiges Grau, überstrahlendes, tiefstehendes Sonnenlicht, Schneesturm, etc.), aber gerade das Blitzszenario, das nicht! Am glaubwürdigsten und am einfachsten ist das diesige Grau. Einfach den Blitz auslassen und ein kleines Stativ verwenden. Dann wird kein Bild verwackelt bei längeren Belichtungszeiten. Natürlich sollte der Himmel bedeckt sein. Bei der Helikopter-Perspektive ist das Modell ohnehin nur vom Schnee umgeben, der alles auftreffende Licht in ein diffuses Licht verwandelt.


Zivilisationsspuren

Eine genaue Vorbetrachtung des Bildes ist oft nicht möglich, weil man nicht mehr durch den Sucher der Kamera sehen kann, weil sie auf dem Boden steht, die Kamera kein Display hat, etc. Schwupps hat sich im Hintergrund ein Fußabdruck an den Bildrand gemogelt oder ein Ast ist im Bild; ein Stück Hauswand, usw. Das kann nur vermieden werden, wenn man den Aufstellungsort genau in Augenschein nimmt und immer mehrere Aufnahmen mit leichten Veränderungen von Blickwinkel, Abstand, Bildausschnitt macht (auch Tiefenschärfe, wenn machbar).
Optimal ist es, wenn man zwischen Kamera und Modell eine weite, unberührte Schneefläche bekommt, die vielmehr Variationsmöglichkeiten betreff der Perspektivänderungen bietet, als bei einem Modell, das man gerade zehn Zentimeter mal vor den eigenen Füßen abgesetzt hat. Das geht freilich nur, wenn man das Model z.B. aus dem Bildhintergrund kommend absetzen kann, das Modell auf einem Flachdach positioniert, oder das Modell auf einer schiefen Ebene fixiert und durch eine angepaßte Kameraperspektive dann so ins Bild setzt, dass der umgebende Boden als Hintergrund erscheint.


Details

Wer nicht gerade die KONTIO / OTSO ablichten will, kommt nicht umhin, dass das Original nunmal keine zig quadratmetergroßen Flächen ohne Details hat und meist am Rumpf massive Eisbrecher sieht immer eigenartig aus. Besser ist es, das Modell in den Schnee zu drücken und dann wieder ein wenig heraus zu ziehen. Mit anhaftendem Schnee über der Wasserlinie im Bugbereich wirkt es realistischer und dynamischer.


PF

Teil 2... comming soon